Ferienfreude in der Wohnstätte „St. Martin“

Posted by on 1. August 2013

Entspannung und Abwechslung unmittelbar vor der Haustür und an der polnischen Ostsee

Von Iris Henning

Heyerode. „Es geht ins Schwimmbad, manches Mal wandern wir, aber heute werde ich noch töpfern.“ Den Begriff Lange Weile scheint es für den 18-jährigen Jens nicht zu geben. Wenn der junge Mann über seine Feriengestaltung erzählt, lacht er und blinzelt mit den Augen. Es ist seine besondere seine Art, große Freude zu zeigen. Jens ist einer von 20 Kindern und Jugendlichen, die ihr Zuhause in der Wohnstätte „St. Martin“ in Heyerode haben. Es sind die letzten großen Sommerferien, die er genießt. Mit Beginn des neuen Schuljahres wird er im Berufsbildungswerk der Mühlhäuser Werkstätten seine Ausbildung beginnen. „Metallbearbeitung“, sagt Jens, lacht und blinzelt dabei.

„Jetzt gestalten wir aber erst einmal erlebnisreiche Ferien für die, die noch die Schule besuchen oder Urlaub haben“,

St. Martin Jens, Sigrid Peterseim, Sandra Zengerling (2)

Jens – hier mit Teamleiterin Sigrid Peterseim – genießt die Ferien auch mit Töpfern. Mit im Bild: Mitarbeiterin Sandra Zengerling und Andrè. Foto: Iris Henning

erklärt die Teamleiterin im Haus, Sigrid Peterseim. Ein Wochenplan hängt an ihrer Bürotür, jeder kann schauen, ob ihm die Angebote zusagen. In den Kletterwald nahe Kammerforst wollen nicht alle mit. „Da habe ich Höhenangst“, sagt eine Jugendliche. Sie freut sich mehr auf das „Wandern mit dem Suchen“, auf Geocaching, wie die heutige moderne Schnitzeljagd genannt wird. Eine Gruppe kann sich auf eine Badewoche an der polnischen Ostsee freuen. „Wir wollen allen Bewohnern ermöglichen, einmal im Jahr eine Woche Ferienfreizeit anderswo genießen zu können“, so die Teamleiterin. Ganz umsonst ist das nicht. Mit Erspartem von ihrem Taschengeld müssen sich die jungen Leute ein Stück weit daran beteiligen. Eben wie in einem ganz normalen Leben auch.

In der Wohnstätte St. Martin lernen die Bewohner – derzeit sind sie zwischen 9 und 24 Jahre – ihre eigenen Fähigkeiten kennen, bauen sie mit der Assistenz der Mitarbeiter Stück für Stück aus. „Wäsche sortieren, Wäsche waschen, Einkaufen, Essen zubereiten, Zimmer sauber halten, Blumen gießen – eben das ganze Programm, was zum Wohnen und Leben dazu gehört, wird hier gemeinsam gelebt und gelernt“, erklärt Sigrid Peterseim.

Das Haus, das sich seit 1994 als Wohnstätte für Menschen mit Behinderung in dem Eichsfelddorf etabliert hat, ist dafür erst vor kurzem vollständig umgebaut und modernisiert worden. Seit der Sanierung im April letzten Jahres ist die Wohnstätte barrierefrei, verfügt über einen Fahrstuhl und ein Pflegebad. Die Mehrbettzimmer wurden abgelöst durch 16 Einzel- und zwei Doppelzimmer. Gemütliche Wohnküchen sind gern genutzte Begegnungsstätten. Vier Wohngruppen ermöglichen den Kindern und Jugendlichen ein individuelles Leben und Wohnen, das Lernen von alltäglichen Strukturen und Alltagskompetenzen. „Wir begleiten, beraten und motivieren, bauen Tagesstrukturen“, fügt Sigrid Peterseim hinzu. In all den Jahren stehe man zudem stets in Kontakt t mit den Eltern und Angehörigen der Kinder und Jugendlichen und suche intensive Zusammenarbeit. So wird Schritt für Schritt der Tag vorbereitet, an dem die jungen Leute die Wohnstätte verlassen müssen. Sind die Bewohner nämlich erwachsen geworden, heißt es Abschied nehmen und Umziehen in eine für sie geeignete Wohnform. Das kann betreutes Wohnen, ambulant betreutes Wohnen oder – im günstigsten Fall – auch der freie Wohnungsmarkt sein. Darauf sollen die jungen Leute vorbereitet sein, damit sie ein Leben in größtmöglicher Selbstbestimmung und Selbstverantwortung führen können.

Jens mit seinen 18 Jahren denkt schon ab und zu daran. Hat er erst einmal seine Ausbildung begonnen und in einigen Jahren das Alter erreicht, um auf eigenen Füßen zu stehen, so gut er es bis dahin gelernt hat, wird er umziehen. Aber jetzt genießt er erst einmal seine Ferien.

 

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