Kultbaum für den Kirchgarten

Posted by on 21. Juni 2013

Elisabeth-Kinder pflanzten neuen Walnussbaum

Von Iris Henning

Mühlhausen. Einen fast zwei Meter hohen Walnussbaum pflanzten jetzt die Mädchen und Jungen des evangelischen Kindergartens „Elisabeth von Thüringen“ im Garten des Hauses der Kirche. Der junge Baum ist eine Spende des Architekturbüros Hose innerhalb der Aktion „Offene Gärten“ und ersetzt nun den vor einigen Jahren vom Wind umgeknickten alten Nussbaum. Den neuen Walnussbaum hatte sich Pfarrer Andreas Schwarze gewünscht, „weil in fast jedem Pfarrgarten ein solcher Baum steht“, sagte er.

Der Walnussbaum gilt schon seit einigen tausend Jahren als religiöse Kultpflanze. Griechen und Römer betrachteten die schmackhaften und nährstoffreichen Walnüsse als Speise der Götter. Der Walnussbaum war bei den Griechen dem Zeus

Baumpflanzung (1)

Der Baum ist gepflanzt. Nun muss er nur noch wachsen und Früchte bringen. Foto: Iris Henning

geweiht und bei den Römern dem Jupiter. Den Kelten galt der Walnussbaum als Symbol für die Blütezeit, die Zeit, vor dem alljährlichen Kräftenachlassen und Absterben der Natur. Er war ein Zeichen für die Suche nach dem Beständigen, Ewigen. Die Germanen weihten die Nüsse Fro, der Göttin der Liebe und des Erntesegens.

Uralten Erzählungen nach, galt die Walnuss sogar als Liebesorakel. Liebespaare beispielsweise legten zwei Walnüsse ins Herdfeuer. Blieben die Nüsse in der Gluthitze beieinander, schloss man auf eine gute Ehe. Flogen sie aber krachend auseinander, stand eine turbulente Ehe ins Haus. In der Zeit zwischen dem zweiten und sechsten Jahrhundert sollen Kinder neuvermählten Eheleuten Walnüsse in den Weg geworfen haben, denn die Nuss galt auch als Symbol der Unsicherheit des Ehelebens: Niemand weiss, was sie bringt und ob die Nuss süß oder bitter ist. Dennoch wurde der neuvermählten Braut empfohlen, viele Nüsse zu essen, was dem Wunsch nach reichem Kindersegen gleichkam

Im Christentum gibt es verschiedene Deutungen. So soll der Kern das süße Fleisch Christi symbolisieren, das zuvor in der Schale von Marias Schoß gewachsen war. Manch einer sah in der scharf schmeckenden Hülle die bitteren Leiden Jesu, und in der harten Schale das Holz des Kreuzes das ihm das ewige Leben ermöglichte. So zumindest erklärte es Pfarrer Schwarze am Tag der Baumpflanzung.

Es gibt aber auch andere Deutungen, gerade wegen des etwas erotischen Aussehens des „Nussembryos“ und der Verbindung zur Fruchtbarkeit. So sahen einst manche Christen in der Walnuss das Zeichen der Wollust und damit der Sünde.

Wie die Deutungen auch sein mögen: Tatsache ist, dass ein Walnussbaum Insekten, wie Mücken und Fliegen, fern hält. Mit grünen Walnussblättern wurde in früheren Zeiten sogar Ungeziefer aus Kleiderschränken und Betten ferngehalten. Die Blätter des Walnussbaums sind nämlich besonders gerbstoffreich und werden deswegen von den meisten Insekten eher gemieden. Der Walnussbaum wird zudem wegen seiner schmackhaften Früchte und seines Holzes von den Menschen seit je her sehr geschätzt. Im Jahr 2008 kam dem Walnussbaum eine besondere Ehre zuteil: Er wurde zum Baum des Jahres ausgerufen.

All die Mythen, Deutungen und Fakten waren den Elisabeth-von Thüringen-Kindern ziemlich egal. Sie waren mit großem Eifer dabei, den Baum einzupflanzen.

 

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