Bilder, die wie vergängliche Erinnerungen sind

Posted by on 22. April 2013

Gudrun von Maltzan brachte Bäume auf vergilbtem Zeitungspapier in die Galerie Zimmer

Von Iris Henning

Mühlhausen. Ringsum Bäume – und doch kein Wald. Die Bilder in der neuen Ausstellung „Bäume – des Arbres“ der Galerie Zimmer am Stadtberg zeigen einzigartige Exemplare aus Laos, China und Japan, aber auch aus Ahrenshoop und Mecklenburg. Aus Millionen von feinen Strichen sind sie auf extrem schlanken Format gewachsen. Jeder Baum für sich ist ein Solitär. Nur ihn gibt es auf diesem Blatt, als wäre er das Wichtigste auf dieser Welt. Und jeder dieser markanten Allein-Bäume steht für Vergänglichkeit. In vielleicht fünf, sechs oder sieben Jahrzehnten wird von ihnen vermutlich nicht mehr übrig sein als zerbröseltes Papier. Das ist Absicht der in Schloss Grubenhagen / Mecklenburg geborenen und seit Jahrzehnten in Paris lebenden Künstlerin Gudrun von Maltzan. „Diese Bilder sind wie Erinnerungen, die allmählich verblassen und sich irgendwann auflösen“, erklärte sie am Samstagabend, als ihre Ausstellung vor großem Publikum eröffnet wurde.

Die Ursache für die Vergänglichkeit ihrer Baum-Bilder ist deren Untergrund. Von Maltzan wählte uraltes noch unbedrucktes Zeitungspapier – so alt, dass es schon diesen Gilb angenommen hat und irgendwie spröde wirkt.

Gerollt hält sie das gerade mal 40 Zentimeter breite und dafür etwa 140 Zentimeter lange Papier, wenn sie sich zu ihrem auserwählten Baum begibt. Der muss frei in der Landschaft stehen. Ihm gegenüber lässt sie sich nieder und wird zur meditierenden Beobachterin und Abbilderin. Zentimeter um Zentimeter arbeitet sie sich vom aus der Erde ragenden Stamm, rückt ab vom Baum, um sich nun dem Blattwerk und der künstlerischen Beschreibung des Wipfels zuzuwenden. Während sie Strich um Strich auf das Zeitungspapier setzt, zerrinnt die Zeit.

Die einzigartigen Bäume der Gudrun von Maltzan sind eine Entdeckung des Galeristen Peter Zimmer. Er bewunderte ihre Arbeiten auf einer Ausstellung in Ahrenshoop. Dann schrieb er einen langen Brief an die Künstlerin und lobte die besonderen Bäume in Mühlhausen und Umgebung – den Ginkgo und die Rotbuche An der Burg, zum Beispiel, aber auch die 1000-jährige Eiche in Volkenroda und weitere Exemplare. So baumstark überredet, kam dann Gudrun von Maltzan aus der französischen Metropole in die thüringische Provinzstadt. Mitgebracht hat sie nicht nur eine Auswahl ihrer Baum-Bilder, sondern ebenso ein paar Tage Zeit, um sich hiesigen Baum-Schönheiten zu widmen. So ist nicht auszuschließen, dass ihre internationalen Baum-Bilder bald Zuwachs aus dem Unstrut-Hainich-Kreis bekommen. „Ich nehme mir einige Skizzen mit nach Hause“, sagte sie.

Ihre aus Paris mitgebrachte Auswahl von Baum-Bildern in der Galerie Zimmer sind noch bis zum 16. Juni zu sehen.

Die Galerie Zimmer am Stadtberg, Goetheweg 28, hat donnerstags bis sonntags jeweils von 16 bis 18 Uhr geöffnet.

DIASCHAU

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