Die Thüringer Frau und das Meer

Posted by on 25. Februar 2013

Ursula Strozynski zeigt minimalistische Erzählgeschichten in Bildern in der Galerie Zimmer

 

Von Iris Henning

 

Mühlhausen. „Das Meer ist eine wunderbare Projektsionsfläche für Wünsche“, sagt Ursula Strozynski. Die gebürtige Thüringerin, die ihren Lebensmittelpunkt in Berlin gewählt hat, ist derzeit die Protagonistin in der Galerie Zimmer am Stadtberg. „Am Meer“ titelt ihre Ausstellung, die am Wochenende eröffnet wurde. Der Titel hält, was er verspricht: Segelschiffe, Strandlandschaften und Liegestühle bringen eine Ahnung vom großen Wasser in die Galerie.

Was sie die Wahlberlinerin zeigt, ist selten bunt und erst recht nicht üppig. Der Betrachter der Bilder hört kein Meeresrauschen. Er steht vor reduzierten Wahrnehmungen. Kark und spröde sind die Attribute, mit denen Kunstkritiker diese grafischen Strozynski-Bilder charakterisieren. Die Künstlerin selbst nennt sie „reduzierten Realismus“ und eine „Mischung aus Schönem und Hässlichem“, weil „hinter jedem Schönen sich auch immer irgendetwas Hässliches verbirgt“.

Es sind die gesammelten Lebenserfahrungen, die Ursula Strozynski (Jahrgang 1954) in ihre Bilder einfließen lässt. Es sind auch die Lebenserfahrungen einer sehr erfolgreichen und doch tief enttäuschten Architektin in der DDR. Nur kurz arbeitete sie in diesem Beruf, der ihr so wenig Erfüllung gab und ihr so viel innere Trauer bereitete. Seit 1977 ist sie freiberuflich als Künstlerin in Berlin tätig, wo sie sich noch heute oft genug als Fremdling fühlt. Vom „Hauen und Stechen“ unter der heutigen Künstlergilde erzählt sie und liefert den Grund dafür gleich mit: Der schmale Kunstmarkt ist von den Kunstschaffenden hart umkämpft. Es ist oft ein Kampf ums Überleben als Künstler.

So kauft man der im Gespräch mit Galerist Peter Zimmer temperamentvoll agierenden Frau ohne Wenn und Aber ab, wenn sie sagt „In mir ist gebrochene Ästhetik und so sind auch meine Bilder“. Sie selbst ist glücklicherweise kein am Leben zerbrochener Mensch, auch wenn sie bestimmt mehr als einmal ganz unten war. Aber: Da müsse man auch mal gewesen sein, um zu verstehen und um sich in Bildern ausdrücken zu können, meint die Künstlerin. Sie selbst sieht sich als ein Mensch voller Lebensgier, fröhlich und schnell begeisterungsfähig.

Auch diese Seite der Künstlerin sieht man den Bildern an. Wenn auch auf das Wesentliche reduziert, sind es doch starke Konturen, die Licht und Schatten , Räume und Distanzen bilden. Nicht nur das Meer ist für Ursula Strozynski Projektsionsfläche für Wünsche, sondern auch das Papier, auf das sie auf wunderbare Weise ihre Bilder und Sehnsüchte bannt.

Die Ausstellung „Am Meer“ ist bis zum 1. April in der Galerie Zimmer am Stadtberg, Goetheweg 28, zu sehen. Geöffnet hat die Galerie donnerstags bis sonntags von 16 bis 18 Uhr.

DIASCHAU

 

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