Tourismus als eine Entwicklungschance

Posted by on 11. Januar 2013

Oberbürgermeister war Gast im Kulturbund und sprach über die Entwicklung der Stadt.

Eine sich zuspitzende Finanzsituation lässt nur wenig Spielraum und fordert zum Querdenken.

Von Iris Henning

Mühlhausen. Die schlechten Nachrichten zuerst: Die Stadtentwicklung in Zeiten knapper Kassen gleicht dem Kunststück, ein Kamel dazu zu bringen, durch ein Nadelöhr zu springen. Oberbürgermeister Johannes Bruns (SPD) zeichnete am Dienstagabend als Gast des Mühlhäuser Kulturbundes ein kleines Schreckensszenario über die finanzielle Situation der Kreisstadt. Immer weniger Einnahmen einerseits und eine höhere Belastung durch eine dramatisch steigende Kreisumlage andererseits ließen „Träume platzen“, so Bruns.

Mühlhausen

Mühlhausen ist ein touristisches Kleinod, dem es allerdings an Bekanntheitsgrad mangelt. Die Stadtverwaltung hat sich ein Tourismuskonzept zur Aufgabe gesetzt. Foto: Iris Henning

Einer dieser Träume ist wohl der von einem schönen Freibad am Schwanenteich. Der ist in diesem und in den nächsten Jahren nicht zu verwirklichen, will der OB keinem Mühlhäuser falsche Hoffnungen machen. Aufgrund der schwierigen Finanzsituation fürchtet der Kommunalpolitiker aber um viel mehr: „Da wir kaum mehr Geld übrig haben werden, um die Kofinanzierung von Fördermitteln zu sichern, werden im Land Thüringen abgekoppelt von der Entwicklung“, sagte er.

Ganz schwarz malen will der Oberbürgermeister die Zukunft jedoch nicht. Die historische Stadt Mühlhausen mit ihrem mittelalterlichem Charme sieht er in der „Top-Liga der fantastischen Städte“, etwa gleichrangig wie Rothenburg ob der Tauber. Woran es Mühlhausen im Vergleich zu dieser namhaften Kleinstadt im Mittelfränkischen mangele, sei der touristische Bekanntheitsgrad. „Fragen Sie im Ruhrpott nach Mühlhausen in Thüringen – kaum wer kennt uns“, beklagt er. Ein entsprechendes Tourismuskonzept müsse darum unbedingt erarbeitet werden. Mühlhausen und das Umland hätten einzigartige touristische Attraktionen und Traditionen zu bieten und gute Zukunftschancen im Tourismus.

Einen zu verwirklichenden Traum sieht Bruns in der Gründung einer Stiftung für die Stadt Mühlhausen. Bürger, die für ihre Stadt etwas tun wollten, könnten mithilfe dieser Stiftung aktiv mitwirken. Auch der Gedanke „Schwanenteich“ sei für ihn nicht vom Tisch, sondern ein Thema höchster Priorität. „Wenn wir auf Tourismus setzen wollen, dann darf die Fläche nicht einfach liegen bleiben“. Gemeinsam mit den Mühlhäusern und der Verwaltung soll ein Machbarkeitskonzept erarbeitet werden.

Ein weiteres Prioritätsthema nannte er die bevorstehende Auflösung des Bundeswehrstandortes Mühlhausen. Mit Unterstützung der Landesentwicklungsgesellschaft könnte der Standort zu einem modernen Gewerbepark entwickelt werden.

Und wie steht es mit der Kultur in Zeiten knapper Kassen? „Keine Kürzungen“, sagte Bruns, mit der Einschränkung, dass das aber der Stadtrat zu entscheiden hätte. Mit Blick auf die außerordentlich vielen kleinen und größeren Veranstaltungen in der Stadt wünschte er sich aber eine bessere Vernetzung der Kulturarbeit, denn auch das sei ein nicht zu unterschätzender touristischer Standortfaktor. „Wir müssen lernen, quer zu denken, um auch mit wenig oder gar keinem Geld Mühlhausen und unser Lebensgefühl schöner zu machen“, so sein Credo.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.