Manchmal können Lieder viel mehr als nur schön sein

Posted by on 20. September 2012

Der integrative Chor bereitet sich auf seinen ersten großen Auftritt vor

 

Mühlhausen. Ob unter der Dusche, bei der Arbeit oder einfach nur so: Kathrin Jungkurth (34) aus Mühlhausen trällert für ihr Leben gern. „Ich könnte den ganzen Tag lang singen“, plaudert die sympathische junge Frau. Vielleicht ist sie deswegen meistens so fröhlich. Am liebsten singt sie aber in Gemeinschaft. So ist Kathrin Jungkurth Mitglied im integrativen Chor, den die Mühlhäuser Werkstätten in diesem Jahr ins Leben gerufen haben – als eine Begegnungsstätte für behinderte und nicht behinderte Menschen, die gern singen. Kathrin Jungkurth, die in den Werkstätten beschäftigt ist, war von Anfang an von dieser Idee begeistert. „Ich habe auch schon in der Jungen Kantorei

mitgesungen“, sprudelt sie hervor. Aber am liebsten singe sie Volkslieder. „Die lassen sich einfach merken und haben

Musik hat etwas Verbindendes. Der integrative Chor ermöglicht unbehinderte Begegnung und Kennenlernen der Menschen mit und ohne Behinderung. Sie treffen sich, um gemeinsam zu singen.

immer eine so schöne Melodie“, begründet sie. „Ännchen von Tharau“ sei ihr Lieblingslied.

Kathrin Jungkurth ist eine der etwa 35 Gesangsfreunde, die sich seit Mai dieses Jahres regelmäßig im „Schützenberg“ zur Chorprobe treffen. Zu der Runde gehört auch Petra Müller aus Felchta. „Es macht einfach Spaß im Chor zu singen. Unsere Proben sind immer sehr fröhlich“, erzählt sie. “Ob behindert oder nicht behindert – das spielt doch gar keine Rolle. Wir sind eine Gemeinschaft. Und ob Sie’s glauben oder nicht – beim Singen denkt keiner mehr, der oder die ist anders“, fügt sie hinzu. So wird das gemeinsam Singen zur Brücke für ein gegenseitiges Verständnis und eine gegenseitige Akzeptanz.

Kathrin Jungkurth, Petra Müller und alle anderen Chormitglieder bereiten sich bereits auf ihren ersten großen Auftritt vor. Im Juni nächsten Jahres will der integrative Chor in der Rathaushalle auftreten. Vor großem Publikum will er einen bunten Strauß an Volksliedern präsentieren. Die Einnahmen aus dem Konzert sollen den Werkstätten zugute kommen.

Doch bis dahin liegen noch viele Probestunden vor ihnen. Geleitet werden die von Anja Schmidt und Clemens Hesse. „Wir sind bereits eine wunderbare Gemeinschaft“, heißt es von beiden. Aber dann haben sie auch schon keine Zeit mehr für Gespräche. Die Chorfreunde haben längst Platz genommen. Im Halbkreis sitzen sie erwartungsfreudig um den Flügel auf der Bühne im Saal des „Schützenberges“ und einige von ihnen sind schon sichtbar ungeduldig. Zum „Warmsingen“ fordert Anja Schmidt auf. Das klingt noch ein bisschen durcheinander. Dann ist „Entfroschen“ angesagt. Clemens Hesse übernimmt nun das Kommando. Mit trällernden „nanana“ wird auch der letzte „Frosch“ aus der Kehle gesungen. Das fröhliche Auf und Ab mit den Silben „Lei Lau Lie“ dient der Kieferlockerung. Und dann sind sie da, die Stimmen, die sich die Chorleiter wünschen, und die Lockerheit, die es braucht, fröhliche Weisen zu singen. Nun werden die Lieder geprobt, die auf dem Programm für das Chorkonzert stehen: Der Mond ist aufgegangen, Kein schöner Land, Am Brunnen vor dem Tore und – natürlich – das Ännchen von Tharau.

 

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