Charmanter Testfahrer

Posted by on 5. Mai 2012

In einem Dokumentarfilm wird das Leben eines schwerstbehinderten Mühlhäusers vorgestellt.

Der Film beeindruckte bereits während einiger namhafter nationaler Festivals

 

Von Iris Henning

 

Mühlhausen. Mit einem Lächeln rollt er durch die Straßen Mühlhausens. „Guten Tag“, grüßt er nach allen Seiten. Der Rollstuhlfahrer Volkmar Kirschbaum, der an seinem fahrenden Untersatz das Schild „Testfahrer“ angebracht hat, scheint halb Mühlhausen zu kennen. „Ich habe 28 Jahre lang als Fensterputzer gearbeitet. Da kenne ich wirklich viele Leute“, erzählt er.

Der Rollstuhlfahrer ist ein sympathischer Mann. Er lacht viel und gern, liebt das Witzemachen. Seine Lebensfreude ist

Der Mühlhäuser Volkmar Kirschbaum ist als „Testfahrer“ bekannt. Als solcher rollt er derzeit über zahlreiche Festival-Leinwände.

beneidens- und bewundernswert. Volkmar Kirschbaum ist schwer krank. Seine Diagnose lautet MS, Artrose, Diabetes, ein überstandener Herzinfarkt und Krebs. Die Schicksalsschläge waren schmerzend, vor allem, als er noch dazu seine Frau verlor. Seinem Charme konnten sie jedoch nichts anhaben. „Das Steh-auf-Männchen nennen sie mich im Krankenhaus“, plaudert der Testfahrer munter – und lacht.

Heute ist Volkmar Kirschbaum noch bekannter als vor einem guten Jahr, als der Film entstand. In einem Dokumentarfilm rollt er seit einigen Monaten deutschlandweit über die Leinwände namhafter nationaler Festivals. Dresden, Potsdam/Babelsberg, Jena, Bad Liebenstein waren die jüngsten Aufführungsorte dieses authentischen Filmporträts der jugendlichen Filmemacher Florian Arndt und Arvid Neid von der Filmfabrik Mühlhausen. Richtig abgeräumt haben sie mit diesem sensibel zwischen Tragik und Komik oszillierenden Film bei der 10. „Filmthuer“, dem Landesfilmfestival Thüringens in Jena. Für ihren „Testfahrer“ erhielten sie dort den Hauptpreis, die „Goldene Filmthuer“, in der Kategorie Jugendfilm sowie den „Förderpreis Jugend“ als Sonderpreis und in der Einzelbewertung nochmals den ersten Preis. Einen Sonderpreis gab es außerdem noch für die „Beste Montage“. Vom „Bundes-Filmfestival Dokumentarfilm“ in Bad Liebenstein kehrten sie mit dem zweiten Preis zurück. Den Publikumspreis erhielt der „Testfahrer“ während des jetzt zu Ende gegangenen Festivals „Kurzsüchtig“ in Leipzig.

Am kommenden Wochenende wird der „Testfahrer“ in Rostock gezeigt und außerdem wurde er für die „Kurzfilmtage in Thalmässing“ nominiert, die am 18. und 19. Mai stattfinden. Weitere Festivalstationen sind Frankfurt, Erfurt und Gera.

„Wir sind überglücklich über den bisherigen Erfolg“, sagt der junge Regisseur Florian Arndt, der derzeit ein Praktikum bei MDR absolviert und bald sein Studium an einer Filmhochschule beginnen will.

Glücklich ist auch der Testfahrer selbst. „Ich finde es großartig, was die Jungs machen und wie sie diesen Film gestaltet haben“, meinte Volkmar Kirschbaum jüngst während der Premierevorstellung des Films in Mühlhausen.

 

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