Aus dem Leben eines Provinzrockers

Posted by on 5. Mai 2012

Hurra-hurra-die-Schule-brennt-Sänger Kai Havaii begeisterte mit Buch und Liedern im TA-Café.

Rockmusiker stellte seinen Rock’n’Roll-Roman in Mühlhausen vor

 

 

Von Iris Henning

 

Mühlhausen. „Hart wie Marmelade“. Das klingt nach Witz und schrägen Vergleichen, nach „das gibt’s doch gar nicht“. Diesen „Rock’n’Roll-Roman aus der Provinz“ (Untertitel) stellte der sprachgewitzte Rockmusiker Kai Havaii jetzt als Gast innerhalb der Reihe TA-Café in der Stadtbibliothek Jakobikirche vor. Mit „Hart wie Marmelade“ gab Havaiis im Jahr 2007 sein schriftstellerisches Debüt.

Kai Havaii, geboren als Kay Schlasse in Hagen, erzählt in seinem autobiografischen Roman die Geschichte eines jungen, linksalternativen „Spontis“ aus der westfälischen Provinz, der es nach einigen Semester Germanistik und nach einiger Zeit als Taxi-Fahrer zum Popstar bringt. Er trifft Stefan Klein (alias Kleinkrieg), dem Gründer der vom Punkrock beeinflussten Band „Extrabreit“. Kay Schlasse wird zu Kai Havaii, dem Sänger mit der kehlig-rauchigen Stimme. „Extrabreit“ wird plötzlich von der alles überrollenden Neuen-Deutschen-Tsunami-Welle erfasst und nach oben katapultiert. Dem unglaublichen Erfolgsrausch folgen Flops und Heroin, Comebacks und Entziehungskuren, Verhaftungen und tragische Abschiede.

„Hart wie Marmelade“ ist ein selbstironisches witziges Buch, dem es weder an einer gehörigen Portion Sarkasmus noch an Gefühl fehlt. Es führt durch eine Zeit voller Träume und Begegnungen und durch eine Zeit eines rasanten Auf und Ab eines wildes Leben, garniert mit vielleicht überflüssigen postpubertären Dummheiten, etwa einer nächtlichen wilden Verfolgungsjagd mit Leuchtkugel-Schießerei durch ein schlafendes Dörfchen. Doch wenn Kai Havaii davon aus seinem Buch liest, klingt es dennoch unglaublich schräg.

Applaus bekamen er und sein Freund Stefan Kleinkrieg (Gitarre) an diesem Abend nicht nur für die Lesung, sondern ebenso für die unplugged vorgetragenen einstigen Superhits wie „Hurra, Hurra die Schule brennt“ und „Flieger, grüß‘ mir die Sonne“ – zwei der großen Erfolge von Extrabreit. Auch „Hart wie Marmelade“ zählt zu den besten Songs der Gruppe.

Übrigens: Der erste Erfolg von „Extrabreit“ im Jahr 1981, „Polizisten“, wurde in Bayern wegen der „Verunglimpfung von Staatsorganen“ mit Radioverbot belegt. Auch die Teenager-Hymne „Hurra, hurra, die Schule brennt“ mit den brandstiftenden Vorstadtmädchen wurde in den 1980er-Jahren von Eltern- und Lehrerverbänden scharf attackiert, während die Band dafür von ihren Fans heiß geliebt wurde. Lieder wie diese haben ein jüngeres Stück deutscher Musikgeschichte geprägt.

 

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