Tatort Thüringen

Posted by on 31. März 2012

Der Mühlhäuser Geschichts- und Denkmalpflegeverein machte seine Jahreshauptversammlung zum Wissenschaftsabend.

Über die Geißlerverfolgung im Spätmittelalter referierte eine Geschichtsexpertin

 

Von Iris Henning

Mühlhausen. Den spätmittelalterlichen „Tatort Thüringen“ stellte der Geschichts- und Denkmalpflegeverein Mühlhausen in den Fokus seiner Jahreshauptversammlung. Über die Verfolgung der Geißler sprach Dr. Ingrid Würth von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg vor den geschichtsinteressierten Zuhörern im kleinen Saal im Puschkinhaus. Wie ein Kriminalroman aus dem tiefsten Mittelalter hört sich heute die Geißlerbewegung an – nur das diese Bewegung eine Tatsache ist. Die Geißlerbewegung, so die Expertin, sei mit dem Ausbruch der Pest 1348 auch im Raum Thüringen zu einem Massenphänomen der spätmittelalterlichen Frömmigkeit geworden. Die Geißler erregten Aufsehen bei der Bevölkerung. Sie gingen mit entblößtem Oberkörper durch viele Orte, sangen in verständlicher Sprache von ihrem Leid und geißelten sich zwischen den Schultern, bis das Blut floss.

Als Außenseiter und Ketzer verfolgt wurden die Geißler schließlich im 15. Jahrhundert. Sie wurden zu Opfern der

Über die Geißlerverfolgung referierte Dr. Ingrid Würth von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Inquisition.

Spannende wissenschaftliche Themen, wie diese gehören zum Programm des Vereins. „Unsere öffentlichen Vortragsreihen gehören zum kulturellen Angebot der Stadt“, resümierte Martin Sünder, der Vorsitzende des Geschichts- und Denkmalpflegevereins, in seinem Rechenschaftsbericht. Er erinnerte an die gut besuchten Vorträge über mittelalterliche Synagogenbauten in Deutschland und über die Juden im mittelalterlichen Mühlhausen. Exkursionen zu geschichtsträchtigen Orten ergänzen das Jahresprogramm. Die nächste führt am 16. Juni nach Weida, auf die Spurensuche der Herren von Weida.

Eine langjährige Tradition des Vereins ist die Herausgabe der „Mühlhäuser Beiträge“. Seit 1978 erscheinen diese jährlich. Das Heft nummer 35 ist in Arbeit. Dieses soll „in einem würdigen Rahmen der Öffentlichkeit vorgestellt werden“, so Sünder. Sonderhefte begleiten die jährlichen Publikationen. So sei gegenwärtig Die öffentlichen Vortragsreihen gehören zum kulutrellen Angebot der Stadt, do Martin Sünder. Foto: Iris Henning   auch ein Sonderhefte über den 100. Jahrestages der Gründung der „Provinzialheilanstalt Pfafferode“ in Vorbereitung.

Vom Geschichts- und Denkmalpflegeverein unterstützt werden zudem junge Wissenschaftler. Nutznießer in diesem Jahr ist ein junger Wissenschaftler aus Wien, der Mühlhausen im Mittelalter erforscht.

Den Geschichts- und Denkmalpflegeverein gibt es seit 1977 in Mühlhausen. Damals gründeten sich unter dem Dach des Kulturbundes die Gesellschaften für Heimatgeschichte und Denkmalpflege. Heute gehören dem Verein 72 Mitglieder an.

Zum nächsten öffentlichen Vortrag lädt der Verein am Dienstag, 17. April, in den kleinen Saal im Puschkinhaus ein. Thema: „Antisemitismus im Mühlhausen des Kaiserreichs bis 1914“.

 

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