Die Sprache der Figuren

Posted by on 19. Februar 2012

Galeriespaziergang: Ein berühmtes Pflaster für avantgardistische zeitgenössische Kunst ist der Unstrut-Hainich-Kreis nicht.

Doch es gibt eine Vielzahl an kleinen Galerien. Einige stellen wir vor. Heute: die Galerie von Harald Stieding in Bad Langensalza

 

Von Iris Henning

Bad Langensalza. Ein bisschen rot steht der heutigen Zeit nicht schlecht. Das meint der Bildhauer Harald Stieding. Die Fassaden seines Atelierhauses an der Homburger Straße, ein strenger geometrischer Würfelbau, hat er vor einigen Jahren rot streichen lassen. Davor war der Kubus in dem für die einstige DDR typischen putzgrau. Rot gehört auch zum Kleidungsstil des Künstlers. Meist begegnet man ihm in seinem Atelier und in seiner Galerie im roten Pullover oder rotem T-Shirt. Fast immer hält er ein Zigarillo in der rechten Hand. Jedenfalls, wenn er nicht gerade arbeitet.

Der Bildhauer, der vor kurzem die 70 überschritten hat, arbeitet viel. Er hat zu viele Ideen im Kopf, als dass er sich die Arbeitspause eines Rentners gönnen würde.

Seine Kunstsprache ist erkennbar, aber verschlüsselt. Das ist seine Ausdrucksweise, zu der er über seinen Jahrzehnte langen Kunstpfad gefunden hat. „Er konfrontiert mit Figuren, Objekten oder Schrifttafeln, inszeniert autonome Existenzräume voller bildlicher und gedanklicher Spannung und weckt beim Betrachter den Nach- und Eigenvollzug von Assoziationen“, schreibt die Erfurter Kunsthistorikerin Prof. Ruth Menzel über den Bad Langensalzaer Bildhauer.

Stieding deutet gern nur Formen an, lässt sie im kaum Erahnbaren. Er fordert von den Rezipienten seiner Arbeiten sinnliche Erlebnisfähigkeit, Kombinationsvermögen, mindestens aber das genaue Betrachten.

Der Kunstpfad, den Harald Stieding in seiner Bildhauer-Laufbahn beschritten hat, lässt sich vom Besucher zumindest etappenweise verfolgen. Die großzügige Freiluft-Galerie, die sein Haus umgibt, zeigt nicht nur die Arbeitsumgebung eines nimmermüden und phantasievollen, überregional anerkannten Künstlers. Die Galerie und sein Atelier im Haus gestatten ebenso einen Einblick in einen Lebensweg vom jungen Harald Stieding, der nach Ausbildung zum Steinmetz und Studium an der Fachschule für Angewandte Kunst in Leipzig im Jahr 1969 seine Freiberuflichkeit begann, bis heute und ebenso einen Einblick in die Vielseitigkeit eines philosophierenden Künstlers. Die bewegt sich in den unerschöpflichen Möglichkeiten zwischen Kaltandelradierungen auf chipkartenkleinen Miniaturen und etwa drei Meter hohen „Große Paare“ aus Travertin.

Doch egal, welches Medium Stieding für seine Kunst wählt, ob Papier, Bronze oder Stein. Immer wieder findet er zur Figur als Grundthema. Er gestaltet die Körper überstreckt oder verdreht, scheu oder stolz, wagemutig oder übermütig oder üppig und lustvoll miteinander verschmolzen. Manchesmal nimmt Stieding seinen Figuren aber auch das Menschsein, isoliert sie, entfremdet sie, macht sie zu furchterregenden Feinden.

Wer sich nach dem Galeriebesuch beim Künstler mit offenen Augen durch Bad Langensalza begibt, wird an vielen Stellen den „Harald Stieding“ wieder erkennen. Seine Figuren – die lustvollen, poetischen und friedliebenden – prägen längst das Bild der sehenswerten Kur- und Rosenstadt.

Mit dem Besuch bei Harald Stieding endet die Serie „Galerie-Spaziergang“

Steckbrief:

Galerie Harald Stieding, Bad Langensalza, Homburger Weg 20

Geöffnet hat die Galerie zu den Tagen des offenen Ateliers in Thüringen, jährlich im September am vorletzten Wochenende (Samstag und Sonntag) sowie nach Vereinbarung

 

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