Volle Segel gesetzt

Posted by on 10. November 2011

Die „Friedrich Wilhelm zu Pferde“ ist das Glanzstück der neuen Ausstellung im Kunsthaus.

Gezeigt werden außerdem ein Märchen und ein Krippenspiel im Nussschalen-Format

Von Iris Henning

Mühlhausen. Sie hat schon auf der Ostsee die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, befuhr den Stausee in Oppershausen und fühlte sich auch auf weiteren Binnengewässern wohl. Jetzt zeigt sich die Pinasse „Friedrich Wilhelm zu Pferde“ erstmals öffentlich an Land. Das legendäre Schiff, das in den Jahren 1685 bis 1693 zur kurbrandenburgischen Flotte von Friedrich Wilhelm I. gehörte, ist im Schaufenster des Kunsthauses an der Felchtaer Straße zu bewundern – als etwa 1,10 Meter langes Modell des 37 Meter großen Originals.

Angefertigt hat es der Mühlhäuser Dr. Hans-Erich Müller. Das Schiff ist das Prachtstück in der neuen Ausstellung im Kunsthaus und hat sich wohl deswegen den Fensterplatz erobert. Wie das Original, zeigt das Schiff typische holländische Baumerkmale. Als Zweidecker trägt es 54 Kanonen. Nur auf die etwa 200 Mann Besatzung hat der Modell-Bauer verzichtet. Gut zehn Jahre hat Dr. Müller an seiner Pinasse gearbeitet und jedes einzelne Teil mit der Hand gefertigt. „Da ist nichts aus einem Modellbaukasten dran“, erzählt er.

Miniaturen brachte Dr. Müller trotzdem aus seiner Holzwerkstatt mit. So hat ein millimeterzartes Schneewittchen Platz in einer Nussschale. In einem weiteren Walnussgehäuse ist ein winziges Krippenspiel zu entdecken.

Der Akademiker im Ruhestand hat seinen Spaß an Kontrasten. Denn keinen Meter neben den Nussschalen-Winzlingen steht eine weitaus größere Krippe, deren hölzernen Akteure neben den Nussschalen-Bewohnern wie Giganten wirken. Ein Hingucker sind auch sieben geschnitzten Puppen für das Kaspertheater.

Schiff, Krippen und Co. sind nicht die einzigen Exponate in der jetzt eröffneten Ausstellung.

Neben den Schnitzarbeiten zeigt sie farbenprächtige Filzarbeiten von Dr. Edith Schmidt, Keramiken von Renate Jung und Heike Vogt sowie ausgewählte Bilder von neun Künstlern. “Ich möchte mit der neuen Ausstellung auch ein Stück Vielfalt der Kunstlandschaft zeigen“, sagte Kunsthaus-Inhaber Mario Götting.

Ein Besuch seiner Ausstellung ist übrigens kostenfrei. Wer die Krippenspiele sehen möchte, sollte sich aber beeilen. Als familiäre Leihgaben sind diese nur bis zur Adventszeit zu sehen.

Die Pinasse dagegen wird bis Ende des Jahres mit vollen Segeln das Schaufenster schmücken. Im Gegensatz zu ihrem Original, das 1693 auf der Rückreise von Westindien vor der Straße von Gibraltar von drei französischen Schiffen gestellt, erbeutet und verbrannt wurde, ist ihr hoffentlich ein langes Leben beschieden.

DIASCHAU

 

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