Keramik, Grafik und Lyrik

Posted by on 7. November 2011

Galeriespaziergang Ein berühmtes Pflaster für avantgardistische zeitgenössische Kunst ist der Unstrut-Hainich-Kreis nicht.

Doch es gibt eine ungeahnte Vielzahl an kleinen Galerien. Einige stellen wir vor. Heute: die Galerie von Petra Arndt in Volkenroda.

 

Von Iris Henning

 

Volkenroda. Eines Tages war es so weit. Der innere Kampf zwischen Zweifel und Mut war entschieden. Ihre Seele wollte formen, wollte Ton Gestalt geben, Sinnsuche in Worte fassen. Die Schlotheimerin Petra Arndt machte ihre gefühlte Berufung zum Beruf. Sie wurde Künstlerin. 1989 ging sie mit allen Konsequenzen in die Selbstständigkeit, in ihre persönliche Freiheit. „Ich kann etwas gestalten, das mich im Innersten bewegt, das mich anspricht“, sagt sie über ihre Arbeit.

Die Frau mit der dunkelblonden lockigen Haarmähne, die sie meist mit einem um die Stirn gebundenen Tuch bändigt, hat sich auf keinen künstlerischen Weg fixiert. Sie ist Keramikerin, Bildhauerin, Malerin und Lyrikerin. Jedem Genre fühlt sie sich hingezogen. Ton, Holz und Stein sind ihre Materialien, in jüngster Zeit auch Bronze.

Diese Vielfalt macht einen Besuch in ihrer kleinen Galerie, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kloster Volkenroda befindet, zum sinnlichen Erlebnis. Keramisch-plastische Arbeiten, Figürliches aus Holz und Stein und Bilder laden zum Betrachten ein. Stundenlang könnte man hier sitzen und schauen, ohne dass es langweilig würde. Immer wieder gibt es Neues zu entdecken. Ihre Arbeiten wirken mitunter wie geheimnisbeladene Boten. Da machen selbst ihre Christus-Darstellungen keine Ausnahme. Für Petra Arndt ist Kunst ein Mysterium.

Das ist wohl auch der Grund, weshalb sie dem Verkauf ihrer Arbeiten zwiespältig gegenübersteht. Einerseits ist ein Verkauf schön, weil auch eine Künstlerin ihren Lebensunterhalt verdienen muss und zudem jede verkaufte Arbeit auch ein Stück öffentliche Anerkennung ihrer Arbeit bedeutet. Andererseits empfindet sie den Verkauf ebenso als Verlust. „Nicht nur in der Galerie entsteht zeitweise ein Stück Leere, auch in meinem Inneren“, beschreibt Petra Arndt dieses Gefühl der Zerrissenheit. Es dauert, bis diese Leere wieder gefüllt ist.

Ganz in Gedanken vertieft arbeitet sie derzeit an einer neuen Figur, einer Menschengruppe. Wie diese Tonplastik für Bronze letztlich aussehen wird, ist noch nicht endgültig entschieden. Fest steht schon der Name für diese Arbeit: „Fratres“, der lateinische Begriff für Brüder. Gut möglich, dass diese Arbeit in einer der nächsten Ausstellungen im Thüringer Landtag zu sehen sein wird. Im Frühjahr 2012 bringt die Schlotheimerin eine Auswahl ihrer Arbeiten in dieses politische Zentrum. Darauf freut sie sich. Wenn sie selbst für sich eher die Stille sucht, wünscht sie ihren Arbeiten doch entsprechende Aufmerksamkeit. Wohl auch deshalb hat sie vor zehn Jahren die Galerie „Kunst und Lyrik“ gegründet.

Steckbrief

Die Galerie von Petra Arndt hat ihre Adresse in Volkenroda, an der Hauptstraße 11.

Vor zehn Jahren wurde sie eröffnet.

Regelmäßig beteiligt sich die Galerie an der jährlichen Aktion des Thüringer Verbandes bildender Künstler „Tag des offenen Ateliers“.

Öffnungszeiten der Galerie: samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr.

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