Das erste Kunstpodium

Posted by on 27. Oktober 2011

Ein berühmtes Pflaster für avantgardistische zeitgenössische Kunst ist der Unstrut-Hainich-Kreis nicht.

Doch es gibt eine ungeahnte Vielzahl an kleinen Galerien. Wir stellen sie vor. Heute: Die Kulturbund-Galerie in Mühlhausen

Von Iris Henning

Mühlhausen. Das hat es noch nie gegeben. Abseits der großen Kunstzentren im Arbeiter- und Bauernstaat entstand ein Kunstpodium. Es war damals ein besonderes Ereignis, als vor 36 Jahren in Mühlhausen eine Galerie eröffnet wurde. Sie war die Erste weit und breit und sollte es viele Jahre lang auch bleiben. Initiator war der Pädagoge Franz Prinich. Unter dem Dach des Kulturbundes organisierte er fortan regelmäßige Ausstellungen in der Galerie, die sich die Adresse des Kulturbundes zum Namen machte: „Galerie am Entenbühl“.

Von nun an bereicherte sie das kulturelle Angebot in der Stadt. Jährlich gab es drei bis vier Ausstellungen. Die Galerie am Entenbühl wurde zum Schaufenster der damals noch wenigen Künstler im Kreis Mühlhausen. Alexander Barth, Charlotte Eberlein, Werner Weidenbach, Siegfried Böhning und der Nestor der Galerie, Franz Prinich, sowie Mühlhäuser Kunsterzieher stellten ihre Arbeiten und damit ihre Wertevorstellungen, Originalität und handwerkliches Können vor. Gern trafen sie sich mit den kunstinteressierten Besuchern, die neugierig die Bilder, Grafiken und Plastiken betrachteten.

An eine „kleine, gepflegte Galerie“ im damaligen Kulturbund-Haus am Entenbühl erinnert sich heute noch gern der Galerist Peter Zimmer an die Anfänge. Als eine „erstaunliche Tatsache“ habe er damals dieses Podium für Künstler und Kunstinteressierte wahrgenommen.

Schon in den 80er Jahren wurde die Galerie am Entenbühl auch für namhafte Thüringer Künstler interessant. Horst-Peter Meyer, Alfred T. Mörstedt, Eberhard Heiland, Jost Heyder und Dieter Hennig waren Gäste. Höhepunkte in der Galerie waren vor allem die Werner-Tübke-Ausstellung sowie die Ausstellungen der Erfurter Otto Paetz und Otto Knöpfer. Franz Prinich sah diese Ausstellungen auch stets als Wertschätzung der Kunst in Mühlhausen.

Heute trägt die Kulturbund-Galerie den Namen „Kleine Galerie“ und ist im Puschkinhaus zu Hause. Die Wirren der politischen Umbruchzeit haben ihr zu Schaffen gemacht. Zeitweise stand ihre weitere Existenz auf der Kippe. Doch sie hat überlebt, wohl auch dank des ehrenamtlichen Vorsitzenden des Kulturbundes, Jürgen Thormann. Er hielt und hält mitunter zäh an den herausgebildeten Traditionen fest.

Die gute Seele der Galerie ist seit einigen Jahren Martina Stellmann. Zwischen vier bis sechs Ausstellungen organisiert sie pro Jahr. Die Akteure dafür kommen heute meist aus dem Amateur-Bereich. „Wir wollen denen, die sich in ihrer Freizeit der bildenden Kunst verschrieben haben, ein Podium geben“, sagt Frau Sellmann. Die Eröffnungsveranstaltungen zelebriert sie mit Laudatio und Musik immer zu kleinen charmanten Festakten. Das kommt gut an beim Publikum. Stets sind die Ausstellungseröffnungen gut besucht.

 

+ In der nächsten Folge stellen wir die Galerie der Künstlerin Petra Arndt in Volkenroda vor.

 

 

 

Steckbrief

Die „Kleine Galerie“ hat ihre Adresse im Puschkinhaus in Mühlhausen.

Seit ihrem Bestehen wurden etwa 185 Ausstellungen gezeigt.

Derzeit ist Acrylmalerei von Kathrin Zunk aus Berlin zu sehen.

Ab 16. November stellt Katrin Raimann aus Gotha ihre Arbeiten vor.

Öffnungszeiten der Galerie: montags bis freitags von 13 bis 16 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr.

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