Das verborgene Museum

Posted by on 19. Oktober 2011
In der Vogteigemeinde Niederdorla sind nicht nur das Opfermoor und der Mittelpunkt einen Besuch wert.

Mitten im Ort gibt es eine private Heimatstube, in der viel Geschichte aufbewahrt wird.

 

Niederdorla. Auf drei Berühmtheiten ist das Dörfchen Niederdorla besonders stolz. Zum einen ist es das Geschmink, eine regionaltypische deftige Kartoffelmahlzeit mit einem Stück Hammelfleisch, das die Niederdorlschen schon vor Generationen zu ihrer Nationalspeise erklärten. Nummer zwei ist ein Quadratmeter Erde, der etwa 500 Meter nördlich von Niederdorla liegt und im Jahr 1990 zum offiziellen geografischen Mittelpunkt Deutschlands erklärt wurde. Die dritte Berühmtheit ist die nachgebaute germanische Siedlung am Opfermoor.

In einer ehemaligen Scheune in Niederdorla liegt das Potenzial für eine vierte Sehenswürdigkeit. Eine heimatkundliche Sammlung, deren Exponate das Leben und die Lebensgewohnheiten vieler Generationen erahnen lassen. In Vitrinen, in Truhen und Schränken, auf Tischen und in Regalen sind alte und uralte Gegenstände aus Haus, Hof und Garten sortiert, deren Zweck sich nicht immer gleich erschließt, so lange sind sie bereits aus dem Alltag verschwunden. Originale Vogteier Trachten sind ebenso ausgestellt wie historische Uniformen und Waffen. Selbst Exponate aus der Früh- und Urgeschichte zeigt die private Sammlung. Die Tonscherben und Steinwerkzeuge wurden am Windberg gefunden, einem Areal zwischen Niederdorla und Seebach.

„Der Großvater meines Mannes hat mit dem Sammeln begonnen“, erzählt Susanne Nöthling. Die aus dem Haushalt und vom Hof verbannten Gegenstände erschienen dem alten Nöthling wohl zu kostbar, um auf dem Müllhaufen des Nicht-mehr-gebraucht-Werdens zu landen. Heini Nöthling setzte dann fort, was sein Vater begann. Da hatte die Sammlung schon so ein Ausmaß angenommen, dass er zu Beginn der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts eine Heimatstube einrichtete.

Auch das Erbe ging an den Sohn, an Rüdiger Nöthling, der heute gemeinsam mit seiner Frau Susanne diese außergewöhnliche Sammlung pflegt. „Viel Arbeit“, sagt Susanne Nöthling, wenn sie an die unvermeidlichen Putzstunden denkt. Entschädigung dafür ist ihr die Freude an den Dingen, an dem uralten hölzernen Kinderschlitten, an dem nostalgischen Puppenwagen, dem liebevoll gestalteten Alkoven, dem reich verzierten Geschirr. Doch spätestens, wenn sie das unhandliche eiserne Waffeleisen oder eines dieser unbequemen und schweren Bügeleisen in den Händen hält, ist sie froh, in der heutigen Zeit mit ihren technischen Haushaltshelfern zu leben.

Wünschen würde sich die Nöthlings eine fachliche Sortierung und Anordnung der Sammlung. Doch allein fühlen sie sich mit dieser Aufgabe überfordert. Zum einen fehlt das museale Spezialwissen, zum anderen die freie Zeit dafür.

Trotzdem öffnen sie für Interessierte gern die Tür zu ihrer Heimatstube, laden sie ein zu einem kleinen Ausflug in die Vergangenheit des Ortes. Schon so manche Kindergartengruppe und Schulklasse nutzte dieses freundliche Angebot.

Anmeldungen für einen Besuch in der privaten Heimatstube in der Sperlingsgasse19 nimmt Familie Nöthling nach Feierabend unter (03601) 802242 entgegen.

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