Ein Mittel zur Verschönerung

Posted by on 12. Oktober 2011

Hannelore und Harlad Preuster sammeln seit vier Jahrzehnten zeitgenössische Kunst aus Thüringen, Sachsen und Berlin.

Jetzt verblüfft das Ehepaar aus Friedrichroda mit einer Ausstellung in der Galerie im Schloss Dryburg

 

Von Iris Henning

Bad Langensalza. Es ist, als ginge man durch eine wohlgeformte Ausstellung in einem gut geführten Museumshaus. Altenburg, Mörstedt, Schubert-Deister, Paetz, Sakulowski … keiner der großen Namen der bekanntesten zeitgenössischen Künstler aus Thüringen, Sachsen und Berlin fehlt. „Einfach grandios“ sagt da selbst Jürgen Winter, der stellvertretende Direktor der Mühlhäuser Museen und anerkannter Kunsthistoriker über diese mustergültige und facettenreiche Sammlung.

Nur: Es ist kein Museum, in dem diese beeindruckende Ausstellung seit Donnerstagabend gezeigt wird. Es ist die Galerie des Vereins Kunstwestthüringer im Schloss Dryburg. Und es ist im eigentlichen Sinne auch keine Ausstellung des Vereins, sondern die eines eigentlich ganz normalen Ehepaares aus Friedrichroda.

Das einzig „Unnormale“ an Hannelore und Harald Preuster, beide Jahrgang 1939, ist möglicherweise, dass sie seit vier Jahrzehnten leidenschaftliche Sammler von Kunst sind. Gefällt ihnen ein Gemälde, eine Zeichnung, eine Keramik, dann können sie nicht widerstehen. Sie kaufen. Allerdings nie in einem Laden oder in einer Galerie. Sie suchen den Weg direkt in die Ateliers der Künstler, legen dafür mitunter viele Kilometer Wegstrecke zurück. Sie wollen die Macher der Werke und ihre Arbeits- und Lebenswelt kennenlernen, wollen die Entstehungsgeschichte dieses Bildes oder jener Keramik hinterfragen. So wird Kunst für die Preusters etwas Lebendiges, etwas Persönliches, etwas, das über das Leben der Menschen in ihrer Zeit erzählt mit all seinen Facetten wie Liebe, Moral und Menschenwürde. Kunst, so wird Harald Preuster später während der Ausstellungseröffnung sagen, sei für ihn aber auch ein Mittel der Verschönerung des eigenen Lebens.

Ja, werden da viele sagen, wenn man sich diese Verschönerung leisten kann …

Die Preusters lächeln bei solch unausgesprochenem Vorwurf. Das mit dem Sich-Leisten ist so eine Sache. Erklären lässt die sich kaum. Man muss wohl anders ticken, um sich Kunst leisten zu wollen. Denn Preusters Biografie ist wie viele ihres Jahrgangs: Schule, Gymnasium, Studium, Lehrertätigkeit. Drei Söhne.

Nur eines war außergewöhnlich – ihr ausgeprägtes Interesse an Kunst und Künstlern. Und einen Vorteil gab es: Kunst hatte in der DDR kaum Marktwert. Für Sammler war das günstig, bekennt Harald Preuster. Und doch sei es oft so gewesen, dass ihre Leidenschaft zur Kunst auch Schulden in die Haushaltskasse brachte.

Viel erzählt Harald Preuster an diesem Abend über seine Sammelleidenschaft und die seiner Frau. Dabei will er nicht höher dastehen als andere. Er will das Gegenteil: Den anderen Mut machen, selbst einmal den Weg in ein Atelier zu finden, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Kunst und Künstler, so sagt er, seien eine Bereicherung im Alltag. Sie geben Zuversicht, Freude und Begeisterung. Und immer würden die Künstler ihre Gäste mit großem Wohlwollen und offenen Herzens empfangen, auch, wenn nichts gekauft werde.

Was allerdings passieren kann, wenn bei einem solchen Besuch der Funke zur Sammelleidenschaft überspringt, zeigt die gegenwärtige Ausstellung im Schloss Dryburg mit dem Titel „Mensch und Umwelt im Schaffen ostdeutscher Künstler“. Die ist bis zum 20. November zu sehen. Die Galerie hat donnerstags bis samstags jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

DIASCHAU

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