Die späte Heimkehr

Posted by on 12. Oktober 2011
Ständige Kabinettausstellung „Rolf Dieß“ holt einen Künstler aus der Schublade der Vergessenen.

Die Ausstellung wird als eine der bedeutenden deutschen Spezialsammlungen moderner Kunst gewürdigt

 

Von Iris Henning

Bad Langensalza. Ein Künstler ist zurück in seine Heimatstadt gekommen: Rolf Dieß. Leider nicht mehr persönlich. Dieß ist tot. Vor 47 Jahren, 1964, schied er durch Freitod aus dem Leben. Das war in Darmstadt. Dieß wurde nur 39 Jahre alt. Hinterlassen hat er ein Erbe, das zu seinen Lebzeiten nicht gefragt war. Er war in seiner Kunst ein Unzeitgemäßer, Unverstandener, Getriebener.

Erst seit einigen Jahren erfährt Rolf Dieß in seiner Geburtsstadt posthum hohe Anerkennung und Wertschätzung. Er ist mit seinen Werken stückweise nach Hause gekommen – durch Schenkungen und Leihgaben von Kunstfreunden an die Stadt Bad Langensalza.

Jetzt konnte die Stadt eine weitere bedeutende Kunstsammlung des Malers und Grafikers als Schenkung entgegennehmen. Renate Günther aus Langen brachte 17 Gemälde. Die Arbeiten stammen aus dem Nachlass ihres Mannes Heinz Günther, der ein Freund und Weggefährte von Rolf Dieß war. Eine Bedingung war an die Schenkung geknüpft: Die Bilder sollen dem Stadtmuseum im Augustinerkloster für die ständige Bewahrung, wissenschaftliche Forschung und Ausstellung übergeben werden.

Der größte Teil der Schenkung wird seit Donnerstagabend in der ständigen Rolf-Dieß-Ausstellung im Augustinerkloster präsentiert. Ergänzt wird diese Ausstellung mit weiteren Schenkungen und Leihgaben, die das Stadtmuseum seit Eröffnung der Kabinettausstellung im Jahr 2005 erhalten hat. So entwickelte sich die Ausstellung zu einer kleinen Gesamtschau auf das sehr umfangreiche künstlerische Schaffen Dieß‘ von einer Zeit, als er noch in Erfurt lebte und er seiner Heimatstadt Bad Langensalza auch örtlich sehr nahe war bis hin zu seinen letzten Lebensjahren. Zu sehen sind Landschaften und freie Malerei in Öl, kleine gezeichnete Landschaften, Porträts, Radierungen, Linolschnitte, Landschaften in verschiedenen Abstraktionsstufen, Mosaikarbeiten, Entwürfe für Glasmalerei und Wandgestaltung sowie eine Metallgestaltung.

Mit der Günther’schen Schenkung hat sich die Kunstsammlung des Stadtmuseums auf inzwischen etwa 100 Arbeiten von Rolf Dieß vergrößert. „Damit besitzt das Stadtmuseum eine bedeutende Spezialsammlung moderner Kunst, die ihresgleichen in Museen Deutschlands sucht“, würdigte Christina Lange, die stellvertretende Bürgermeisterin, während der Ausstellungseröffnung.

Jürgen Winter, der stellvertretende Direktor der Mühlhäuser Museen, erinnerte in seiner Laudatio an Dieß als einen Sohn der Stadt, „den aber kaum noch jemand kannte“. In der kunstinteressierten Öffentlichkeit habe er zu den Vergessenen gezählt. Dem Stadtmuseum gebühre das Verdienst, die Kunst von Rolf Dieß der Öffentlichkeit wieder nahe gebracht zu haben.

Die Rolf-Dieß-Ausstellung im Stadtmuseum im Augustinerkloster ist dienstags bis freitags von 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr, samstags von 13 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 12 und 13 bis 17 Uhr geöffnet.

 

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