Das Gefängnis des Schwarzen Fritz’

29. Juni 2011

Die Wartburg kennt jeder. Weniger bekannt sind die kleineren Burgen, Schlösser und Klöster im Unstrut-Hainich-Kreis. Dabei hat auch hiesiger Landkreis viele ehemalige Adelssitze und Klosteranlagen. Diese TA-Reihe will die historischen Bauwerke und ihre heutige Nutzung vorstellen. Heute: die Fronveste in Bad Tennstedt

 

Von Iris Henning

BAD TENNSTEDT. Wie Reste einer mittelalterlichen Burg erhebt sich ein imposanter viereckiger Turm oberhalb der Kirchgasse in Bad Tennstedt. Die vermeintlichen Burgreste sind Teil der mittelalterlichen Stadtmauer, die einst Bad Tennstedt umrundete. Es war Herzog Wilhelm von Sachsen, der im Jahr 1448 die Erlaubnis zum Bau eines Stadtmauerrings anstelle einer älteren Befestigung erteilte.

Der Gedanke an eine Burg ist dabei nicht abwegig. Die günstige und strategische Lage von Tennstedt untermauert die Überlieferung, dass im frühen Mittelalter ein Königshof bestanden haben könnte. Es wird auch angenommen, dass sich aus dem Hof zwei Befestigungsanlagen entwickelten. Eine Wasserburg stand östlich von Tennstedt, bis sie 1484 von der Stadt gekauft – und als Steinbruch verwendet wurde. Die Tennstedter Wasserburg hatte ihre Bedeutung durch die Verbindungsstraße Eisenach–Weißensee–Neuenburg zu verdanken, denn sie war für den Landgrafen von Thüringen der Hauptverbindungsweg zu seinen Sitzen.

Von den Tennstedter Burgen sind kaum noch Spuren zu finden, da die Steine auch zum Bau der Stadtmauer und vermutlich auch für die Fronveste verwendet wurden. Ironie des Schicksals: Als das gewaltige Stadtmauer-Bauvorhaben nach gut 40 Jahren, um das Jahr 1489, endlich fertig war, galt sie bereits militärtechnisch veraltet.

Noch bis in das 19. Jahrhundert hinein führten die Straßen durch vier Eingangstore der Befestigungsanlage in die Stadt. Jener viereckige Turm ist einer von noch drei erhaltenen der ehemals acht Wachtürme. Als Fronveste mit Kreuzgratgewölbe und Gefängniszellen wurde dieser markante Wach- und Gefängnisturm erbaut. Über Jahrhunderte diente das Gebäude als Stadtgefängnis. Der prominenteste Gefangene war der berüchtigte „Schwarze Fritz”, ein Raubmörder, der 1758 hingerichtet wurde und als letzte Hinrichtung in die Chronik von Tennstedt eingehen sollte.

Der Ortschronist Hermann Wohlfahrt gibt in seiner Chronik „ Tennstedt in Gegenwart und Vergangenheit einen Einblick in die Gerichtsbarkeit des 18. Jahrhunderts. „ Den 13. Juni geschahe die Execution des Inquisiten. Früh um 7 Uhr marschierten die Bürger mit Ober- und Untergewehr auf den Markt … Der Wachtmeister formirte auch einen Creiß, in solchen ward ein Tisch und Stuhl gesetzet, 8 Uhr kamen die Creißamtsgerichte und sogleich brachte die Schuljugend unter Vortragung des Leichen Creutzes und unterm Lauten der Nachtgesangs-Glocken den armen Sünder aus der Inqusition weis gekleidet durch die kleine Kirchgasse, unterm Gesang einiger Sterbe-Lieder. Dann wurde das Halsgericht gehalten, unterm Commando der bewaffneten Bürger wurde er danach vor das Wenigentennstädter Thor auf den jetzigen … grünen Platz (Gegenwärtiger Schützenplatz) gegen den Blochthurm geführet, und von denen priestern dreimal im Creiß herumgeführet; dann hielt der arme Sünder eine kurze Rede und Warnung an das anwesende Volk, welches auf dem ganzen Weichberge herumstand, auch sogar auf der Stadtmauer saß und bey Tausenden versammelt war. Er bereuete sein gottloses Leben, that wahre Buße und wurde durch den Scharfrichter brand mit dem Schwerd vom Leben zum Tode gebracht. Hernach wurde er auf dem Schinderkarren auf das Gericht geführt und auf das dazu verfertigte Rad geflochen.“

Heute befindet sich in der Fronveste ein liebevoll eingerichtetes Stadtmuseum. Ausgestellt sind unter anderen steinerne Zeugen der Ur- und Frühgeschichte, Kinderspielzeug und Hausrat aus vergangenen Jahrhunderten, eine ländliche Apotheke und Hausrat aus dem 19. Jahrhundert und die Geschichte des Flachsanbaus. Der Clou im Museum: In einer Gefängniszelle harrt als Puppe immer noch der Schwarze Fritz seines Schicksals. Von der Plattform des Turmes übrigens genießen die Besucher einen wunderbaren Blick über die mittelalterlich geprägte Stadt und das ländliche Umland. Geöffnet hat das Museum sonntags von 14 bis 16 Uhr. Die Eintrittspreise sind erstaunlich niedrig. Erwachsene zahlen 50, Kinder 30 Cent.

DIASCHAU

 

 

 

Fronveste-Historie

 

Herzog Wilhelm von Sachsen erteilte im Jahr 1448 die Erlaubnis zum Bau eines Stadtmauerrings erteilte. Im selben Jahr war Baubeginn.

 

Etwa 40 Jahre dauerte der Bau der Stadtmauer um Tennstedt. Als sie um das Jahr 1489 endlich fertig war, galt sie bereits militärtechnisch veraltet.

 

Die Fronveste entstand um 1465.

 

Eine Wasserburg, die östlich von Tennstedt stand, wurde 1484 von der Stadt gekauft. Die Steine der Burg wurden gebraucht – vermutlich auch für den noch unvollendeten Bau der Stadtmauer.

 

Über Jahrhunderte diente die Fronveste als Stadtgefängnis. Der prominenteste Gefangene war der berüchtigte „Schwarze Fritz”, ein Raubmörder, der 1758 hingerichtet wurde und als letzte Hinrichtung in die Chronik von Tennstedt eingehen sollte.

 

Der prominenteste Besucher von Tennstedt war der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe. Er traf 1816 auf der Durchreise nach Baden-Baden, wo er eine Kur antreten wollte, in der Stadt ein. Ob er die Fronveste besichtigte, ist nicht überliefert.

 

Das ehemalige Gefängnis beherbergt heute ein liebevoll eingerichtetes Stadtmuseum.

 

(Quellen: Kulturelle Enteckungen Thüringen, diverse Ortschroniken)

 

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