Premiere des Mühlhäuser Kleinkunstsommers

Posted by on 26. Juni 2011

Mit derb-heiteren Fastnachtsspielen des Nürnberger Meistersingers Hans Sachs gab die Theaterwerkstatt 3K den Auftakt.

Liedermacher-Duo beeindruckte mit außergewöhnlichem musikalisch-literarischen Theodor-Kramer-Abend

Von Iris Henning

Mühlhausen. Mit gleich drei Veranstaltungen startete der erste Mühlhäuser Kleinkunstsommer an diesem Wochenende in seine Premiere. Mit populären Fastnachtsspielen aus dem 16. Jahrhundert des Nürnberger Schuhmachermeisters, Meistersingers und Dichters Hans Sachs, ergänzt durch verschiedene Lieder, gaben die jungen Spieler der 3K-Theaterwerkstatt einen derb-vergnüglichen Auftakt: Der Fahrende Schüler im Paradeis, Das Kälberbrüten und Der Krämerskorb standen auf dem Abendprogramm. Mit teils feingeschliffener, süffisanter Zunge und teils derben Wortgefecht zeichneten die Protagonisten ein farbenfrohes Bild aus dem Leben im 16. Jahrhunderts. Und es ist schon komisch: Obwohl die Stücke beinah 500 Jahre auf dem Buckel haben, scheint sich manches im Leben niemals zu ändern. Sie weilen immer noch mitten unter uns: tollpatschige und bauernschlaue Vertreter der Gattung Mensch.

Mit dem Liederabend am Samstagabend „Was soll’n wir noch beginnen…“ holten die Veranstalter zwei außergewöhnliche Lyrik-Virtuosen nach Mühlhausen. Die Sänger und Liedermacher Heike Kellermann aus Berlin und Wolfgang Rieck aus Rostock zelebrierten eine musikalisch-literarische Synthese zwischen der Poesie der Theodor-Kramer-Texte und der Ausdruckskraft der Musik. Und wer bis dahin im Publikum Theodor Kramer nicht kannte, hat diesen großen und in Vergessenheit geratenen Poeten mit Sicherheit schätzen gelernt. Kellermann und Rieck holten den Dichter, dessen Lyrik während der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts im gesamten deutschsprachigen Raum gedruckt wurde, aus der Schublade des Vergessenes und setzten ihm mit ihrem Programm ein wunderbares Denkmal. Das Schöne an diesem: Es erhebt nicht den Anspruch ehrfürchtigen Lauschens. Das Liedermacher-Duo versteht es, mit den Kramer-Texten umzugehen. Sie vertonen und interpretieren sie charmant und unterhaltsam. Geschickt werden Information und Musik kombiniert, wird zwischen Komik und Melancholie, Derbheit und Zärtlichkeit gewechselt, ohne die Balance zu verlieren. Beeindruckend ebenso das umfangreiche Instrumentarium: Mit Gitarren, Banjo, Monochord, Ziehharmonika, Saxophon, Mundharmonika, Akkordeon und Blockflöte geben Kellermann und Rieck der facettenreichen Palette der menschlichen Leiden und Freuden eine Stimme. „Was für ein wunderbarer Abend“, schwärmt dann auch eine Zuschauerin am Programmende.

Das erste Wochenende des Mühlhäuser Kleinkunstsommers endete gestern Nachmittag mit dem reizend vorgetragenen Märchen „Von einem, der auszog, das Gruseln zu lernen“. Die Spieler der 3K-Theaterwerkstatt hatten dazu eingeladen.

Lediglich nicht mitgespielt zum Auftakt des ersten Mühlhäuser Kleinkunstsommers hat das Wetter. Statt auf der Freiluftbühne Syndikatshof wurde nach Plan B, der Regenvariante, gespielt: in der 3K-Spielstätte Kilianikirche und in der Stadtbibliothek.

Die nächsten Veranstaltungen innerhalb des Kleinkunstsommers finden am kommenden Wochenende statt. Zu Filmvorstellungen ist am Freitag- und Samstagabend ab 21.30 Uhr in den Syndikatshof eingeladen. Eine Geschichte für die ganze Familie, „Lucie und Karl-Heinz“, führt die Theaterwerkstatt am Sonntagnachmittag, ab 16 Uhr auf.

 

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