Hexenspuk in der Walpurgisnacht

Posted by on 2. Mai 2011
Fast 2000 Gäste feierten rund um die Thiemsburg in den Mai hinein

 

 

Fremden Leuten mit einem trockenen Hühnerfuß den Rücken kratzen, den Gästen die Pommes wegessen oder kreischend durch die Menge laufen: Die Luzi-Hexen aus Landshut waren nicht zimperlich zur Walpurgisnacht auf der Thiemsburg.

 

Von Iris Henning

 

Thiemsburg. Erstmals waren die Langnasigen und Buckligen aus dem Bayerischen zur Walpurgisnacht im Hainich. Gut möglich, dass es an der Schönheit des Abends lag: Sie waren keineswegs garstige Gesellen. Spendierfreudig luden Hagazusaa, Renella, Furyelle und Wally zum Hexentrunk ein, zelebrierten sowohl wilde als auch weniger wilde Tänze und waren vor allem zum Spaßen und Scherzen aufgelegt.

Das Publikum amüsierte sich jedenfalls prächtig über die hexisch-charmanten Gäste, ebenso über den lustigen Gaukler Feuergeist, den geheimnisvollen Märchenerzähler Andreas von Rothenbarth und die gut gelaunten Musikanten von „Fidelius“. Die gewagte Kunststückchen, die schaurigen und spannenden Geschichten und die mittelalterliche Musik machten die Nacht zum 1. Mai zu einer großen Unterhaltungsparty für die ganze Familie.

Eine kleine Vorstellung über das Leben der Menschen im Mittelalter gaben die Handwerker des Vereins „Die Milzener“ aus Vierkirchen, einem kleinen Ort nahe Görlitz. Löffel und Schalen wurden geschnitzt und Armbänder und Gürtel gewebt. „Wir versuchen durch experimentelle Archäologie herauszufinden, wie unsere Vorfahren vor etwa 1000 Jahren gelebt haben“, erzählt die junge Weberin Peggy Hocke.

Zum vierten Mal hatte das Forthaus Thiemsburg zur Walpurgisnacht eingeladen. Zum zweiten Mal gestaltete es das Fest mittelalterlich. Zur Premiere im vergangenen Jahr waren mehr als 1300 Besucher gekommen. In diesem Jahr waren es etwa 2000, schätzt Ronald Fernschild, der Initiator des mittelalterlichen Spektakels, die Besucherzahl.

Besonders die kleinen Gäste haben ihren Spaß an dieser Art zu feiern. Viele kamen mit spitzen Hüten und krummen Nasen. Über so viel unverhoffte Verwandtschaft im Hainich freuten sich vor allem die Luzi-Hexen. Sie sind nicht abgeneigt, im nächsten Jahr wieder einzufliegen – nicht nur wegen der netten Festgesellschaft, sondern auch wegen des urigen Hainich-Waldes, den sie „bezaubernd schön“ finden und wegen der sagenhaften Walpurgisatmosphäre, in der es sich bei Hexentrunk, Gebratenem und Gesottenem so herrlich schwatzen und feiern lässt.

Sagen- und mythenumwoben ist die Walpurgisnacht seit Jahrhunderten. Viel Reflexion darüber, was dieses Fest heute eigentlich noch bedeutet, gibt es allerdings nicht. Warum dennoch so viele Gefallen daran finden, liegt nahe: Party – ein Grund zum Feiern. In vielen Hainich-Dörfern brannten in der Nacht zum 1. Mai Walpurgis-Feuer.

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