Gegenwart trifft Vergangenheit

Posted by on 4. April 2011
Kunstwestthüringer löst mit seiner neuen Ausstellung in der Kirche Divi Blasii auch ein Versprechen ein

 

 

Der Verein Kunstwestthüringer ist fortgegangen aus Mühlhausen. Er bleibt dennoch in der Kreisstadt. Das hat er versprochen, als er vor einigen Monaten notgedrungen seine Koffer packte. Mit der Ausstellung „Reformhaus Wittenberg“ in der Kirche Divi Blasii zeigt er, dass ihm das Versprechen ernst ist.

 

Von Iris Henning

 

MÜHLHAUSEN.

Mit einer stolzen, sehenswerten Ausstellung präsentieren sich die Künstler seit Sonntagvormittag. Nichts ist mehr zu spüren von der Verzagtheit, die ihren Umzug nach Bad Langensalza begleitete. In der Kur- und Rosenstadt scheint man eine Energiequelle gefunden zu haben. Zumindest aber einen Ruhepunkt, der Kräfte sammeln ließ für neue Auftritte.

Mit der Ausstellung „Reformhaus Wittenberg“ versuchen die Künstler inmitten der Reformationsdekade, die auf das Jubiläum des 500. Jahrestags des Thesenanschlags von Martin Luther im Jahr 2017 hinzielt, eine zeitgemäße Annäherung an das große Thema. Etwa 20 Mitglieder der Künstlervereinigung stellen ihre Arbeiten aus und zeigen auf vielfältige Weise, dass das Thema Reformation, also Erneuerung, gesellschaftlich ein ständig aktuelles ist.

Ein reizvoller Kontrast zu den etwa 30 Bildern, Skulpturen und Objekten ist die historische Kulisse der dominanten Kirche Divi Blasii. Das Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert ist steinerner Zeitzeuge der Reformation Anfang des 16. Jahrhunderts bis Mitte des 17. Jahrhunderts, in der die Geschehnisse in und um Mühlhausen ebenfalls eine zentrale Rolle spielten. Somit ist diese Kirche eine Art Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart. „Der geschichtliche Kontext macht unsere Ausstellung besonders spannend“, sieht Kurator Ralf Klement die besondere Herausforderung für diese Exposition.

Mit der Ausstellung „Reformhaus Wittenberg“ setzt der Kunstwestthüringer seine lange Tradition der Jahresausstellungen fort. Die wurden bislang in der vereinseignen Galerie o.T. an der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße gezeigt, die aber aus Geldnot aufgegeben werden musste (diese Zeitung berichtete). Einen neuen Präsentationsort in Mühlhausen fanden die Künstler in der Kirche Divi Blasii, die ihnen das Evangelische Kirchspiel zur Verfügung stellt.

Diese doch ungewöhnliche weltlich-religiöse Liaison ist nutzbringend für beide Partner. Der Kunstwestthüringer hat nicht nur eine bemerkenswerte Galerie gefunden, sondern kann auch die touristische Popularität dieser schönen Kirche mitten im Stadtzentrum genießen. Die Religionsgemeinschaft wiederum gewinnt durch die Galerie an öffentlicher Aufmerksamkeit. Pfarrer Andreas Schwarze drückte es während der Vernissage unter anderem so aus: „Diese Ausstellung soll auch zum Dialog anregen, abgesteckte Grenzen zu überschreiten“.

Die Ausstellung „Reformhaus Wittenberg“ ist bis Sonntag, 29. Mai, zu sehen. Die Kirche Divi Blasii hat montags bis donnerstags sowie samstags von 10 bis 17 Uhr und sonntags von 13 bis 17 Uhr für die Besucher geöffnet.

DIASCHAU

 

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