Zeugen aus dem Bauernkrieg

Posted by on 23. März 2011
Freundeskreis Mühlhäuser Museen ermöglichte die Rettung historischer Waffen

 

Mit dem Mut der Verzweiflung müssen die Bauern einst in den Aufruhr marschiert sein. Das verrät ihre Bewaffnung. Mit allem, was die Ackergerätschaft hergab, setzten sie sich zur Wehr. Teile der Bewaffnung, der sogenannten Bauernwehr, wurden vor 14 Jahren nahe Mühlhausen gefunden. Ob die stark korrodierten Fragmente aus der Zeit des Deutschen Bauernkrieges je für die Nachwelt erhalten werden könnten, stand jedoch in den Sternen. Jetzt konnten erste Teile saniert werden – dank des Freundeskreises der Mühlhäuser Museen.

 

Von Iris Henning

 

MÜHLHAUSEN.

Fast 500 Jahre alt sind die Messer. Sie stammen aus einem Scharmützel aus der Zeit des Bauernkrieges (1524/25) und haben vermutlich seit dieser Zeit unter der Erde gelegen. Entdeckt wurden die etwa 150 Exemplare im Jahr 1997 während der Beräumung des ehemaligen Truppenübungsplatzes Weberstedt. Die unansehnlichen und vom Rost zerfressenen Teile landeten unerkannt auf einem Schrotthaufen. Dem ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger Gerald Gräbedünkel aus Kammerforst ist es zu verdanken, dass diese Reste nicht für immer verloren gegangen sind. Er erkannte in dem vermeintlichen Schrott historische Überbleibsel.

Wulf Walther, der Fachreferent für Ur- und Frühgeschichte in den Mühlhäuser Museen, ist über die Umsicht seines ehrenamtlichen Berufskollegen glücklich. Waffen aus dieser Zeit zu den seltenen archäologischen Funden. Die Bauernwehren gelten als charakteristische Bewaffnung der ländlichen Bevölkerung dieser Zeit. Und es wäre nur zu erstrebenswert, wenn zumindest ein Teil diese Waffen im Bauernkriegsmuseum, in der Kornmarktkirche, gezeigt werden könnten. „Das wäre eine echte Bereicherung. Originale Waffen und Gebrauchsgegenstände aus dieser Zeit sind kaum mehr vorhanden“, so Walther.

Die Restaurierung ist allerdings teuer. Zu teuer für die Mühlhäuser Museen. Geld dafür haben sie bislang aus ihrem schmalen Budget nie aufbringen können. Der Freundeskreis Mühlhäuser Museen versprach im vergangenen Jahr, mit einem Benefizkonzert Geld für die Restaurierung wenigstens eines Teils dieser historisch wertvollen Messer beschaffen. Jetzt liegen die ersten restaurierten Exemplare vor, fachmännisch restauriert von Helmut Biebler aus Körner. Erstmals sollen die restaurierten Funde vorgestellt werden – vorzugsweise zuerst den Freunden der Mühlhäuser Museen. Das soll auch ein kleines Dankeschön für deren großes Engagement sein. Der Freundeskreis, der sich erst im vergangenen Jahr aufgrund einer Initiative des Mühlhäuser Arztes Dr. Michael Scholl gegründet hat, spielt bereits mit einem nächsten Gedanken: Er will für das Bauernkriegsmuseum ein unikates Schachspiel stiften. Die gegossenen Figuren des Spiels stellen Personen aus dem Bauernkrieg dar. Erste Muster liegen bereits vor.

 

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