Zwei bitterböse Herren

Posted by on 23. Januar 2011
Musikkabarett-Duo „Schwarze Grütze“ besang taktlos, aber rhythmisch Menschliches und Unmenschliches

Sie nehmen die einem täglich begegnende Grütze, schütteln und rühren sie mit reichlich schwarzem Humor und es entsteht „Schwarze Grütze“. Das Musikkabarett-Duo aus Potsdam jonglierte am Samstagabend in der Mühlhäuser Rathaushalle vor einem großen Publikum mit bitterbösen Wortspielen, gekonnt begleitet auf ihren tiefroten E-Gitarren.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

„Bühnenarrest“ war angesagt. Eigentlich sollte dieser in der Stadtbibliothek Jakobikirche abgesessen werden. Doch die Nachfrage nach Karten für die erste Veranstaltung 2011 innerhalb der Reihe TA-Café war so groß, dass für das Publikum die größere Rathaushalle aufgeschlossen wurde.

Und da standen sie nun im Nadelstreif-Anzug im hellen Rampenlicht: Stefan Klucke und Dirk Pursche, die seit 15 Jahren genüsslich Schwarze Grütze an ihr Publikum zwischen München und Hamburg austeilen. Der eine von Kopf bis Fuß in seriösem Grau-Schwarz, der andere im grellroten T-Shirt unter dem Jackett und in drei Nummern zu großen knallroten Schuhen. Mit Leichtigkeit geben sie Bitterböses von sich. Ihre wortverspielte Lieder entpuppen sich als heimtückische Verpackung für gallig-bissige Pointen. Die folgen so rasant, dass das Publikum mit Lachen kaum mehr nachkommt. Vor allem dann, wenn die „Schwarze Grütze“ blitzschnell ihre schwierigen Stabreime, Schüttelreime und Echoreime auf das Publikum feuert.

Nur selten geht es bei „Bühnenarrest“ um die große Politik. Pursche und Klucke konzentrieren sich auf das Menschliche und Unmenschliche und loten schwarzhumorig und aberwitzig die menschlichen Abgründe aus. Sie erzählen aus dem Grütze-Klassiker „Hochhaus-Lied“, wie der lebensmüde Herr Peters auf das Dach kam, besingen in taktlosen, aber rhythmischen Songs die Problematik der schwierigen Sondermüll-Entsorgung von Rauchern, geben Tipps zum kostenlosen Großeinkauf und scheitern beim Versuch, die Welt anhand von „Alkohol und Schweinefleisch“ zu erklären. Denn die Gene bei Menschen und Schweinen sind einander so ähnlich, dass sie zur Erkenntnis gelangen: „Schweinefleisch macht aggressiv, wer in ein Schnitzel beißt, das ist wie Kannibalismus.“

Mit jubelndem Applaus feierte das Publikum die Künstler, die natürlich noch eine rabenschwarze Zugabe im Repertoire hatte.

In Sachen Musikkabarett gehört die „Schwarze Grütze“ unbestritten zu den herausragenden Leckerbissen. 2006 wurden Dirk Pursche und Stefan Klucke mit dem Preis der Leipziger Lachmesse dekoriert. Diese renommierte Auszeichnung des größten deutschen Kabarett- und Kleinkunstfestivals erhielt das Duo für ihr Programm mit dem Zungenbrechertitel: „NiveauwonieNiveauwar!“. Auch damit gastierten die Potsdamer bereits in Mühlhausen.

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