Der Puppenspieler ist da

Posted by on 13. Januar 2011
Der Mediziner im Ruhestand Dr. Hans-Erich Müller haut gern mal über die Strenge

Wenn der Teufel vom Kasper sein Fett wegkriegt und die Fetzen fliegen, dann ist es am schönsten. Auf einer Puppenbühne gibt es noch Gerechtigkeit. Das Gute siegt über das Böse. So ist es auch auf der Bühne des Mühlhäuser Hobby-Puppenspielers Dr. Hans-Erich Müller. Der Mediziner im Ruhestand liebt es aber nicht nur derb-naiv. Er lässt seine holzköpfigen Helden ebenso gern satirisch über die Strenge hauen.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

Seit Jahren kennt man Dr. Hans-Erich Müller als „Die kleine Jacqueline“ beim Mühlhäuser Karneval. Beliebt ist aber auch sein Kaspertheater. Am kommenden Freitag, 21. Januar, 20 Uhr, tritt er im „Kunsthaus“ auf. Foto: Iris Henning

Wer sagt, dass Puppenspiele nur etwas für Mädchen sind? Hans-Erich Müllers Mutter sah das lockerer. Sie schenkte ihrem Sohn zum dritten Geburtstag die Grundausrüstung für ein Puppentheater: einen Teufel, einen Seppel und einen Kasper. Gut möglich auch, dass es damals, vor 60 Jahren, Notgeschenke waren. Wenige Jahre nach dem Krieg gab es wenig in den Geschäften. Als talentierte Bastlerin fiel es der Mutter aber nicht schwer, für ihren Sohn eine Theaterkompanie herzustellen, die Jahr für Jahr Verstärkung bekam. Richtige Charakterköpfe schnitzte sie den Akteuren. Der Kasper sieht fröhlich und gut aus, sein Freund Seppel ebenfalls, wenn auch ein bisschen einfältig. Eine böse Seele stellt dagegen der Teufel dar.

Für den Knaben war das prima Spielzeug, ließen sich doch damit alle möglichen Geschichten und Träume erzählen und spielen.

Die Puppen der Mutter existieren heute noch. In einer roten Kunststoff-Box sind sie gut aufgehoben. Verstauben lässt sie Dr. Hans-Erich Müller nicht. Im Gegenteil. Seit mehr als zwei Jahrzehnten bekommen die Puppen, die sich auf eine 20-Mann-Garde vergrößert haben, regelmäßig wieder Bühnenausgang. Für die Länge eines Auftritts spielen sie sich zu kleinen Helden auf, die mit satirisch spitzer Lästerzunge den politischen und zwischenmenschlichen Alltag aufspießen. Jedenfalls, wenn sie vor dem großen Publikum agieren dürfen. „Das politische Leben ist doch wirklich nur zu ertragen, wenn man es mit Humor betrachtet“, schmunzelt der akademische Puppenspieler. Dass man dabei auch einmal ins Fettnäpfchen treten kann, nimmt er in Kauf. „Früher war das wohl gefährlicher“, denkt er zurück. Aber die Auftritte zum Fasching in der kleinen Kirchgemeinde seines damaligen sächsischen Wohnortes Meerane hätten zum Glück keinen der Aufpasser interessiert.

Zutaten zum Witzeln, Blödeln und Stänkern findet Dr. Müller reichlich. Einst waren es die DDR-Witze, heute fischt er sich aus den reichlichen Kabarett- und Satiresendungen die Sequenzen, die er seinen Pupen in den Mund legt. So bastelt er Jahr für Jahr ein Unterhaltungsprogramm zusammen, das zunehmend an Beliebtheit beim Mühlhäuser Publikum gewinnt. Aus anfangs einem Auftritt in der Kirmesgemeinde sind letztes Jahr sieben geworden. Für dieses Jahr haben noch drei weitere Kirmesgemeinden Interesse angemeldet. Und auch im Kunsthaus, an der Felchtaer Straße, ist es stets voll, wenn der Puppenspieler kommt. Sein nächster, bereits dritter Auftritt ist bereits gebucht: am kommenden Freitag, 21. Januar, um 20 Uhr. Auf dem Programm: „Vom Frust zur Lust“.

Doch nicht nur für die Großen baut Dr. Müller sein Kaspertheater auf, ebenso für die Kleinen. Für die gibt’s freilich die richtigen Geschichten, in denen der Kasperl mit seinem Freund Seppel spannende Abenteuer erlebt und der Räuber oder Teufel für ihre Missetaten ordentlich eins auf die Mütze kriegen.

Dass die Puppenbühnen-Gerechtigkeit noch lange bleibt, dafür hat der Puppenspieler vorgesorgt. Seinen vier Enkelkindern schenkte er ebenfalls Handpuppen. Wie seine Mutter, hat er die Holzköpfe selbst geschnitzt – nach dem Vorbild seiner Puppen.

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