Alte Tagebücher entdeckt

Posted by on 1. Dezember 2010
Gärtnermeister Carl August Haage begann vor 150 Jahren mit Wetteraufzeichnungen

Winterlich, etwas Sonne und Schäfchenwolken. So war das Wetter um diese Zeit vor 150 Jahren in Mühlhausen. Das geht aus einem alten Tagebuch hervor, das Thomas und Dr. Christel Burkhardt beim Aufräumen gefunden haben. Es ist das Tagebuch des Ururgroßvaters von Thomas Burkhardt.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

Dieses Buch ist oft in die Hände genommen worden. Der speckige Einband verrät es. Es ist das Tagebuch des Gärtnermeisters Carl August Haage. Mit wenigen Worten beschreibt er skizzenhaft tagtäglich das Wetter und welche Arbeiten er verrichtet hat. In jenen ersten Tagen im Dezember vor 150 Jahren schnitt er Schilf am Schwanenteich ab, um die Mistbeete in seiner Gärtnerei, unweit des Schwanenteiches, damit abzudecken.

Aus dem Jahr 1860 stammen die ersten Eintragungen. Seit dem Jahr 1861 setzt sich der junge und zielstrebige Gärtnermeister dann täglich nach getaner Arbeit an das Buch. Da ist es meist schon dunkler Abend.

Sein Sohn Karl Andreas Haage, der ebenfalls Gärtner geworden ist, übernimmt die Aufzeichnungen seines Vaters und setzt sie fort. Dieser Feingeist, der später zu einem bekannten Mundartdichter in Mühlhausen werden sollte und im Jahr 1928 Mitbegründer der Mundartgruppe „Müllhisser Schpellschtobbn“ ist, ziert die Tagebücher mit Zitaten, etwa von Friedrich Schiller und Johann Gottfried Seume . Zudem versieht er die Aufschlagseite mit einer akribischen Zeichnung und macht das Tagebuch zum kleinen Kunstwerk.

Bis zum Jahr 1908 führt Karl Andreas die Tagebücher weiter. Dann enden die Aufzeichnungen. Warum, geht nirgendwo hervor. Die Bücher blieben liegen, wurden im Laufe der Jahre mal hierhin und mal dorthin geräumt, bis sie in Vergessenheit gerieten.

Jetzt entdeckte sie Thomas Burkhardt, der Nachfahre der Haage-Familie. Er und seine Frau sind begeistert. „Die Aufzeichnungen erzählen uns nicht nur vom Wetter einst, sondern auch über das Leben und die täglichen Pflichten eines Gärtners“, berichten sie. Stundenlang könnten sie in den Büchern blättern, ohne da es ihnen langweilig werde. Eigens, um die Bücher verstehen zu können, lernten sie die handschriftliche Sütterlinschrift lesen, in der die Aufzeichnungen überliefert sind.

Besonders interessant für die Burkhardts sind die Wetteraufzeichnungen. Temperaturen werden verglichen: Wie war es damals, wie ist es heute?

Schwankungen und Extreme gab es seinerzeit auch schon, und das gar nicht mal so selten. So berichtet Carl August Haage über das Jahr 1860, dass dieses ein schlimmes Ohrwurmjahr gewesen sei. Im folgenden Jahr machte eine Mäuseplage den gärtnern und Landwirten zu schaffen. Das Jahr 1862 ging in die Haage-Geschichte als ein Spargeljahr ein.

Und wie war der Anfang Dezember vor 150 Jahren? Er kam mit leichten Nachtfrösten um minus drei Grad, Tagestemperaturen etwas über den Gefrierpunkt und leichtem Südostwind ganz mild über das Land.

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