Verbindendes schaffen

Posted by on 25. November 2010
Kunstwestthüringer sieht im geplanten Umzug keinen Abschied

Einen Weg aus der Klemme sieht der Verein Kunstwestthüringer und findet wieder die Energie, Zukunftspläne zu entwickeln. Dieses Jahr, das das Jubiläumsjahr des 20-jährigen Vereins ist, war eines voller Turbulenzen.

Von Iris Henning

LANDKREIS.

Am schlimmsten traf den Verein die finanzielle Ungewissheit. Um nicht zu verschulden, mussten Mitte des Jahres die Vereinsräume an der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße gekündigt werden. Mit einem Nischen-Programm im Landkreis halten die Kunstwestthüringer seit dem ihr Ausstellungsangebot für ihr Publikum aufrecht. In Arztpraxen, Unternehmen und Institutionen fanden sie Ausstellungsflächen (unsere Zeitung berichtete).

Das hohe Niveau der Ausstellungen in den eigenen Galerieräume kann mit diesen dezentralen und meist kleinen Ausstellungen nicht erreicht werden. Von Kunstinteressierten wird zudem bedauert, dass es keine offiziellen Eröffnungen mehr gebe. Dennoch sind die Kunstwestthüringer froh über diese Notlösung. „Wir hätten sonst gar nichts“, bedankt sich deren Vorsitzende, Judith Unfug-Leinhos, bei allen, die den Künstlern helfen. Das zeige doch auch, dass die lokale Kunstszene Interesse in Mühlhausen finde.

Eine Heimat für die Künstler können diese Ausstellungen aber nicht sein. „Wir brauchen Räume, in den wir uns treffen, in denen Kunstgespräche mit Interessierten stattfinden, in denen während Diskussionen auch neue Visionen entwickelt werden“, so die Vorsitzende. Froh sei sie, dass dem Kunstwestthüringer Räume im „Haus Rosenthal“ inmitten von Bad Langensalza zu günstigen Konditionen in Aussicht gestellt wurden. Mit offenen Armen seien die Künstler in der Kur- und Rosenstadt empfangen worden, als sie um Hilfe baten.

Eine Trennung von der Kreisstadt Mühlhausen will die Chefin des Vereins in dem wahrscheinlichen Umzug nicht sehen. „Im Gegenteil. Wir wollen Verbindendes schaffen“, sagt sie. So sollen nicht nur die Kunstnischen in Mühlhausen bleiben, sondern noch um weitere Ausstellungsmöglichkeiten ergänzt werden. Die Museumsgalerie Allerheiligen stünde nach Sanierung des Museumshauses zur Verfügung. „Wunderbare Ausstellungsmöglichkeiten“ sieht Judith Unfug-Leinhos auch in der Kirche Divi Blasii am Untermarkt. Pfarrer Andreas Schwarze will Platz für zwei Ausstellungen im nächsten Jahr einräumen. Gute Erfahrungen mit den Kunstwestthüringern hat er bereits in diesem Jahr gesammelt: „Die zwei Ausstellungen haben unseren Gemeindemitgliedern und Gästen sehr gut gefallen“, sagt er. Er sieht den „Kunstraum Kirche“ als eine schöne Möglichkeit der Begegnung und des Miteinander-ins-Gespräch-Kommen. Bei gutem Gelingen der Ausstellungen im Jahr 2011 schließt er eine Fortsetzung der Zusammenarbeit in den Folgejahren nicht aus.

Zusätzliche Ausstellungsmöglichkeiten will Judith-Unfug-Leinhos auch in Bad Langensalza schaffen. So hat sie bereits Kontakte zum Stadtmuseum aufgenommen. „Es wäre doch wunderbar, wenn die Bad Langensalzaer mal nach Mühlhausen fahren und die Mühlhäuser mal nach Bad Langensalza, um die Ausstellungen zu besuchen“, wünscht sie sich für das Ausstellungskonzept.

Froh ist sie aber erst einmal, einen Ausweg aus der Misere der Heimatlosigkeit des Vereins zu sehen. Das gab Kraft für nächste Ideen und Vorhaben. So wird die Jahresausstellung des Kunstwestthüringers „Kopplung“ zu Beginn des nächsten Jahres im Kulturforum „Haus Dacheröden“ in Erfurt fortgesetzt. Ein einwöchiger Workshop mit anschließender Ausstellung soll im April in einem Klostergebäude in Gargnano am Gardasee stattfinden.

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