Fluch und Segen

Posted by on 18. November 2010
So mancher Erdfall war für die Menschen ein Glücksfall

Ein natürlich ausgelöster Erdfall wie in Schmalkalden, der vor zwei Wochen Schlagzeilen auslöste, ist gar nicht so selten. Auch im Unstrut-Hainich-Kreis gibt es Erdfälle. Manche von ihnen brachten statt einer Katastrophe einen Glücksfall in das Leben der Menschen.

Von Iris Henning

LANDKREIS.

Die Arbeiten am Erd-Krater in Schmalkalden sind zu Ende. Die letzten Kiesladungen wurden auf den Krater geschüttet. In das Südthüringer Städtchen zieht wieder Normalität ein. Doch manche Sorgen und Gedanken werden noch lange in dem Ort mitwohnen: Was, wenn sich das Szenario wiederholt?

Ein natürlich ausgelöster Erdfall wie in Schmalkalden ist gar nicht so selten. Auch im Unstrut-Hainich-Kreis gibt es Erdfälle, die meisten davon sind einige hundert Jahre alt. Manche von ihnen sind so reizvoll, dass sie zu geologischen Naturdenkmalen erklärt wurden. „Die Hünenlöcher“ werden die zwei Erdfälle nordwestlich von Bickenriede genannt. Beide Erdfälle erreichen einen Durchmesser von etwa 25 Meter und eine Tiefe von etwa fünf Meter.

Unter Schutz gestellte Erdfälle findet man ebenfalls bei der Lengenfelder Warte und westlich von Langula. Einer der bekanntesten und schönsten Erdfälle im Landkreis ist die Thomasquelle südlich von Mühlhausen.

Dass Erdfälle nicht nur Katastrophen sein müssen, beweist die Popperöder Quelle westlich von Mühlhausen. Sie soll 1199 während eines Erdbebens durch einen Erdfall entstanden sein. Bis heute liefert sie qualitativ hochwertiges Trinkwasser für Mühlhausen.

Glücksfälle für die Menschen waren auch die zwei Erdfälle bei Oberdorla. Aus ihnen sprudeln der Melchiorbrunnen und der Kainspring. Zwei wasserspendende Erdfälle gibt es auch nahe Ufhoven: Die Große Golke und die Kleine Golke. Beide Quellen wurden erstmals 1537 erwähnt.

Sehenswerte Naturdenkmale sind ebenso die Gläserlöcher und das Kutscherloch westlich von Bad Tennstedt. Beide Quelltrichter entstanden durch Bildung von Erdfällen.

Das Naturdenkmal „Egelsee“ bei Bad Langensalza resultiert ebenfalls aus einem Erdfall. Dieses Feuchtgebiet ist wichtiger Lebensraum für Insekten, Schlammschnecken und Kleinkrebse sowie für Vögel und Fledermäuse, die hier reichlich Nahrung finden.

Ein sehr imposanter Erdfall ist zudem nahe Dachrieden, im „Hegeholz“, zu finden. Beinah senkrecht stürzen in diesem Erdfall die Abbruchwände zwölf Meter in die Tiefe. Zwanzig bis fünfundzwanzig Meter misst der Durchmesser dieser Senke. Damit ist dieser Erdfall nur etwas kleiner als der in Schmalkalden.

Erdfälle dieses Ausmaßes sind dabei nicht die größten. Sie können Durchmesser bis zu 200 Metern, ja sogar bis zu mehreren Kilometern aufweisen und eine Tiefe bis zu 300 Meter erreichen. Im Vergleich zu solchen Giganten, die es in Sarisariama-Tepui in Venezuela und Stano del Barro in Mexiko gibt, sind die Erdfälle im Unstrut-Hainich-Kreis nur kleine Launen der Natur.

In bewohntem Gebiet reichen aber schon diese kleinen Launen aus, kleine oder größere Katastrophen auszulösen. Dafür steht nicht nur das jüngste Beispiel in Schmalkalden. Vor gut elf Jahren rutschte ein Stück Bahndamm in der Gegend um Dachrieden in die Tiefe.

Natürliche Erdfälle, so erklären die Geologen, bilden sich durch das Einstürzen unterirdischer Hohlräume, die teils hunderte Meter unter der Erdoberfläche liegen und sich zuvor durch das Auflösen von wasserlöslichem Gestein oder durch das Ausspülen von Lockermaterialien entwickelt haben. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie dem Druck der darüber liegenden Schichten nachgeben müssen.

One Response to Fluch und Segen

  1. G.Aulepp

    Schöne Aufzählung für interessierte Wanderer, der verfüllte Erdfall im Gebiet der Blauen Haube nahe dem Eisenbahndamm (Dachrieden-Horsmar) hätte auch noch genannt werden können. Und ein paar Worte zur Enstehung, die unterirdische Auflösung des Muschelkalk-Gesteins durch CO2 haltiges Sickerwasser, wären nicht überflüssig und hätten auch die herrliche Blaufärbung z.B. der Thomasquelle erklärt (als Ca-Hydrogencarbonat gelöster Kalk). Aus dem unterirdisch gelösten Kalk des Muschelkalkes ist an anderer Stelle Travertin entstanden (z.B. längs des Bachlaufes Poperöder Bach)

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