Hoffnung für die Bauernwehr

Posted by on 22. Oktober 2010
Musik genießen und Kulturgüter aus der Zeit des Bauernkrieges retten

Rost zerfrisst dieses Messer. Es ist nicht irgendein Messer, das der Fachreferent für Ur- und Frühgeschichte in den Mühlhäuser Museen, Wulf Walther, präsentiert. Es ist eine Waffe aus der Zeit des Bauernkrieges, wie sie die Aufständischen benutzten. Etwa 150 solcher und anderer Messer sind im Besitz des Museums. Kämpfen könnte damit allerdings niemand mehr – sie würden auseinanderbröseln.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

Behutsam legt Wulf Walther das dolchartige Messer, eine sogenannte Bauernwehr, zurück. Es wird nur selten aus der Klima-Kammer geholt.Und selbst dort ist der Rost nicht ewig aufzuhalten. „Wenn diese Messer nicht bald restauriert werden, fallen sie auseinander“, fürchtet der Archäologe.

Entdeckt wurden die Messer im Jahr 1997 während der Beräumung des ehemaligen Truppenübungsplatzes Weberstedt. Die unansehnlichen und verrosteten Teile landeten unerkannt auf einem Schrotthaufen. Dem ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger Gerald Gräbedünkel aus Kammerforst ist es zu verdanken, dass diese Reste aus einem Scharmützel aus der Zeit des Bauernkrieges (1524/25) nicht für immer verloren gegangen sind, ist Wulf Walther über die Umsicht seines ehrenamtlichen Berufskollegen glücklich. Waffen aus dieser Zeit gehören nach wie vor zu den seltenen archäologischen Funden. Die Bauernwehren gelten als charakteristische Bewaffnung der ländlichen Bevölkerung dieser Zeit. Und es wäre nur zu schön, wenn diese Waffen auch im Bauernkriegsmuseum, in der Kornmarktkirche, gezeigt werden könnten. „Das wäre eine echte Bereicherung. Originale Waffen und Gebrauchsgegenstände aus dieser Zeit sind kaum mehr vorhanden“, so Walther. Die Restaurierung würde allerdings zig Tausende Euro kosten – Geld, welches die Mühlhäuser Museen nicht aufbringen können.

Für die Erfüllung dieses Wunsches gibt es dennoch Hoffnung. Der Freundeskreis Mühlhäuser Museen will mit einem Benefizkonzert Geld für die Restaurierung wenigstens eines Teils dieser historisch wertvollen Messer beschaffen. Engagiert dafür wurden der Klezmer-Musiker und Klarinettist Helmut Eisel und der Konzertpianist Sebastian Voltz. Das Duo gastiert am Dienstag, 9. November, um 19 Uhr, mit dem Programm Helmut Eisel & Sebastian Voltz entdecken Schumann“ im Bauernkriegsmuseum Kornmarktkirche. Eisel, der als einer der besten und originellsten Klarinettisten gilt, und der Konzertpianist Sebastian Voltz präsentieren die Musik Robert Schumanns jenseits traditioneller Hörgewohnheiten. Eisels über Klezmer und Jazz geprägte Herangehensweise hinterfragt komponierte Musik zunächst, um sie dann interpretierend und improvisierend neu zu entdecken. Einen idealen Partner hat Eisel in Voltz gefunden. Der Pianist hat Freude an Improvisationen und genreüberschreitendem Spiel. Eine Rolle in diesem Schumann-Programm spielen auch die Briefe des Komponisten an seine Clara. Musikdramaturgin Kerstin Klaholz hat Auszüge aus diesen Briefen zusammengestellt und wird sie im Dialog mit der Musik lesen.

Karten für das Benefizkonzert, das innerhalb der Jüdisch-Israelischen Kulturtage in Thüringen stattfindet, gibt es im Vorverkauf in der Kornmarktkirche und können außerdem bei den Mühlhäuser Museen telefonisch reserviert werden: (03601) 85660. Die gesamten Einnahmen aus diesem Konzert dienen der Rettung nahezu einmaliger Funde aus der Zeit des Bauernkrieges. Teile dieser Funde, die einer dringenden Restaurierung bedürfen, werden am Konzertabend in der Kornmarktkirche präsentiert.

www.freundeskreis-muehlhaeuser-museen.de

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