Erinnerung an Mischkes Badeanstalt

Posted by on 6. Oktober 2010
Der Zimmermann Rolf Kämmerer baut Fachwerkhäuser im Miniatur-Format

Ein Fachwerkmodell steht auf dem Tisch. Es misst etwa einen Meter in der Länge, 60 Zentimeter in der Breite und 80 Zentimeter in der Höhe. Ganz frisch sind noch die hölzernen Bälkchen. Das Modell ist der Vorgängerbau der heutigen Thüringentherme.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

„Mein Schwimmbad Mischke“, stellt Rolf Kämmerer vor. In unzähligen Stunden Arbeit im Hobbykeller hat der Zimmermann im Ruhestand diese aufwändige Fachwerk-Konstruktion gebaut. Maßstabgerecht ist dieses Modell allerdings nicht. Dem Zimmermann fehlten die Unterlagen dafür. Aus dem Gedächtnis entwarf er den Bauplan für das Schwimmbad, das einst am Lindenbühl stand und in das die Mühlhäuser nicht nur zum Schwimmen gingen, sondern auch zum Baden. „Auch meine Mutter ist mit uns Kindern einmal in der Woche zum Baden gegangen“, erinnert sich Rolf Kämmerer.

Das mag heute, da ein eigenes Bad längst zur Grundausstattung jeder Wohnung gehört, ungewöhnlich klingen. Doch als Rolf Kämmerer, Jahrgang 1939, noch das Rölfchen war, gingen die meisten Mühlhäuser Familien in Mischkes Badeanstalt, um ein Wannenbad nehmen zu können. „Dort waren die Umkleidekabinen“, zeigt der Zimmermann auf sein Modell.

Auf die Einrichtung hat er freilich verzichtet. Ihm ging es darum, das Gebäude nachzubauen. Als Erinnerungsstück, wie er sagt.

Mischkes Badeanstalt ist nicht das erste Fachwerkhaus, dass in der Kämmerer’schen Holzwerkstatt entstand. Ein Modell steht in einer hessischen Schule. Ein weiteres Modell hat seinen Standort noch im Hobbykeller. Es zeigt das Traumhaus der Kämmerer: ein typisches Alpenhaus mit Holzschindeln. Es hat viele Zimmer und viele Fenster. „Das Haus gibt es wirklich“, erzählt der Zimmermann. Das Original steht auf einer Alm in der Wildschönau. „Wenn ich im Lotto gewonnen hätte, dann würde ich mit meiner Frau jetzt dort wohnen“, lacht der Bastler. Aber er hat nicht im Lotto gewonnen. Freude an dem Haus hat er trotzdem. Und: „In Mühlhausen ist es ja auch schön“, sagt er. Da hätte sich schließlich viel getan in den Jahren, auch im Mühlhäuser Badewesen, blickt er auf sein neuestes Fachwerkmodell. Er könnte sich gut vorstellen, dieses als Leihgabe den Mühlhäuser Museen zur Verfügung zu stellen – als kleine Ergänzung der derzeitigen Ausstellung „Mühlhausen geht baden“. Die wird derzeit in der Thüringentherme, die den Platz der einstigen Mischke’schen Badeanstalt einnimmt, gezeigt und ist noch bis zum 11. November dort zu sehen.

Begleitet wird diese Ausstellung durch die Broschüre „Das Badewesen in Mühlhausen in Thüringen“ von Rolf Kogel, der ein guter Freund des Zimmermanns ist und mit seinen Erinnerungen ebenfalls am Bau des Fachwerkmodells beteiligt war.

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