Wo süße Trauben wachsen

Posted by on 2. Oktober 2010
Günter und Eveline Breitbarth aus Oberdorla sehnten sich nach einem schönen Ort

In immer mehr Höfen sagen sich Natur und Architektur mittlerweile Guten Tag. Was einst als Wirtschaftsfläche und -gebäude geplant und angelegt wurde, ist vielen Menschen heute die Verlängerung der Wohnräume. Höfe verwandelten sich besonders in den letzten Jahren zu grünen oder blumigen Oasen der Lebensfreude und zu Stätten der Begegnung für die Familie, mit Freunden und Bekannten. Einblicke in diese meist versteckten Refugien hinter den Häusern will diese Serie geben. Ein schöner Hof ist der von Günter und Eveline Breitbarth in Oberdorla.

Von Iris Henning

OBERDORLA.

Der Laubengang ist der Lieblingsausruhort. Es ist ein verstecktes, geborgenes Fleckchen mit Blick über den Hof. Der liegt von Gebäuden gänzlich zu einem Viereck eingerahmt sanft zu Füßen. Viel Grün und Blumen machen das Viereck zur Zierde. An die Geschichte von Aschenputtel erinnert das angenehme Gegurre der hübschen Pfauentauben, die mitten auf dem Hof ihren eigenen Pavillon und ihren Taubenturm besitzen. Handzahm sind die schönen Gefiederten, wenn Günter Breitbarth sich ihnen nähert. Seit seiner Kindheit ist er Taubenzüchter, erzählt er. Er hat’s vom Vater abgeguckt.

Doch während der Vater früher auch noch viel Vieh zu versorgen hatte, bei dem er, Günter, als Kind, Jugendlicher und junger Erwachsener kräftig mit zupacken musste, hat er sich heute nur noch auf die Tauben und einen Hund beschränkt. Für Viehzucht reicht die Zeit für ihn, den Pendler zwischen Oberdorla und Erfurt, nicht mehr. Auch Gattin Eveline, ebenfalls Erfurt-Pendlerin, konnte sich mit dieser schweren und zeitraubenden Arbeit nicht anfreunden. Sie zog von Weimar zu ihm auf den Hof. „Und hab‘ es nie bereut, das Leben in der Stadt gegen das auf dem Land einzutauschen“, erzählt sie. Ein bisschen „Städtisches“ hat sie mit auf den Hof gebracht. Blumen und andere Pflanzen, die allein zur Zierde und zur Freude wachsen sollten. „Für meinen Geschmack war der Hof viel zu trist“, erinnert sie sich an ihren Einzug. „Ich brauchte etwas Schönes, um mich wohlzufühlen.“

Eveline Breitbarth ist geschickt in der Gestaltung des Hofes. An die einstige Miste inmitten des Hofes erinnert nur noch die Form des Hochbeetes. Roter Wein hat sich seinen Weg entlang des Laubengangs gesucht, Blumen blühen vom Frühjahr bis zum Frost.

Der Hof der Breitbarths ist einer jüngeren Datums. 1920 hat der Großvater begonnen, das landwirtschaftliche Gehöft aufzubauen. In den 50er Jahren wurden Haupthaus und Seitenflügel durch eine Scheune ergänzt. Gut 20 Jahre später machte ein weiterer Seitenflügel den Vier-Seiten-Hof komplett. Niemand dachte seinerzeit wohl daran, dass der Hof ein Schmuckstück werden könnte, ein Treffpunkt auch für gesellige Stunden mit Verwandten und Freunden. Ein Hof war ein Ort zum Arbeiten und die umringenden Gebäude waren Plätze für Kühe, Schweine und Pferde. So hielten es der Großvater, der Vater und die Mutter und anfangs auch Günter Breitbarth, der in der Landwirtschaft aufwuchs, seinen Beruf darin fand und später als Landwirt promovierte. Erst spät, 1995, kam die letzte Kuh vom Hof. „Keine Zeit mehr“, begründet Dr. Breitbarth.

Viel Zeit und Mühe investierte er dennoch weiter in den Hof: Er sollte ein schöner Ort werden, so, wie ihn sich seine Frau vorstellte. „Wir fühlen uns richtig wohl, können unseren Hof genießen und finden immer wieder etwas zum neu Gestalten“, freuen sich die Breitbarths über ihr schönes Draußen-Zuhause, das ihnen viel Kreativität lässt und so wunderschöne Lieblingsausruhorte, wie auf dem Laubengang, bietet.

DIASCHAU

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