Relief bleibt erhalten

Posted by on 23. September 2010
Die Mühlhäuser Nikolaischule zeigt an ihrer Südseite ein seltenes und wertvolles Kulturgut

Manches Mal sind es glückliche Zufälle, die ein Stück Kunst retten. So im Fall des schönen Reliefs an der Südseite der Mühlhäuser Nikolaischule. Das sollte unter einer wärmedämmenden Schicht verschwinden. Nun soll es erhalten werden.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

Die Aufmerksamkeit zweier Herren war der Beginn der Rettung. Die setzte sich fort mit der zufälligen Begegnung mit der Journalistin. Folgende Recherchen ergaben, dass das Relief kein Produkt aus der Massenware der Zeit des sozialistschen Realismus ist. Dieses Relief ist eine Rarität. Es wurde nach Entwürfen von Otto Knöpfer (1911 – 1993), einem der bedeutendsten Thüringer Maler, gearbeitet. Daran erinnerte sich Dr. Ernst Flatau, der einstige Schulleiter. Angebracht wurde das Relief während der Bauphase dieser Schule an der Altenburgstraße, in den Jahren 1970/71.

Der Erfurter Künstler Otto Knöpfer galt und gilt als bekannt und anerkannt dafür, die thüringische Landschaft, ihre geographischen Besonderheiten und die Stimmung der Natur gestalterisch umzusetzen. Seine Bilder zeigen die tiefe Verbundenheit mit seiner Heimat. Diese Verbundenheit spiegelt auch das Relief an der Schule wider. Die Bildszene ist voller Leben. Kinder schmücken eine Quelle mit Blumen, Jugendliche tanzen, eine junge Familie hält sich im Hintergrund. Das Äußere Frauentor ist zu sehen und ein stilisierter Mühlstein. Dieses Bild verkörpert jahrhundertealte Tradition: das Brunnenfest und die einstige Bedeutung der Mühlen, die Mühlhausen den Namen gaben.

Natürlich wurde in dieser Zeitung über die außergewöhnliche Knöpfer-Entdeckung an der Schule in der Altenburgstraße berichtet Und so erfuhr der Bauträger, das Landratsamt, aus dieser Zeitung von dem ungewöhnlichen und wertvollen Kulturgut. Reagiert wurde sehr schnell und unbürokratisch. Die Pläne für die Sanierungsarbeiten an dieser Schule wurden so geändert, dass das Relief erhalten bleibt.

Nicht nur die Lehrer und Schüler der Nikolaischule wird das freuen, sondern vermutlich sehr viele Mühlhäuser. Einen so großformatigenOtto Knöpfer besitzt wohl kaum eine andere Stadt. Und Knöpfer ist ein hochverehrter Künstler über seinen Tod hinaus. Mit einer ständigen Ausstellung setzten ihm die Thüringer zum Beispiel im Schloss Molsdorf bei Erfurt ein bleibendes Denkmal. Stolz auf Arbeiten von Knöpfer ist man auch in Arnstadt (Schlossmuseum, Knöpfer-Kabinett), in Eisenach (Thüringer Museum), in Erfurt (Angermuseum), in Gotha (Schlossmuseum, Schloss Friedenstein) und Jena (Stadtmuseum Göhre). Auch die Mühlhäuser Museen sind glücklich, in ihrer Sammlung „Thüringer Kunst“ Exponate von Knöpfer zu wissen. Ein in seinem Geburtsort Holzhausen ansässiger Freundeskreis Otto Knöpfer e. V. bemüht sich um die Würdigung seines Werkes in seinem Heimatort. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist der Erhalt des Hauses seiner Kindheit, Jugend und frühen Schaffensjahre.

Aber nicht nur Museen und Kunstverbundene ehren diesen naturverbundenen Maler. 1996 wurde ihm zu Ehren der „Otto-Knöpfer-Wanderweg“ zwischen Arnstadt und dem Drei-Gleichen-Gebiet eingerichtet.

Froh über den glücklichen Ausgang der Mühlhäuser Relief-Geschichte sind übrigens auch die zwei aufmerksamen Herren, denen Kunst und Kultur am Herzen liegt. Namentlich wollen sie aber nicht genannt werden.

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