Keramische Wandlungen

Posted by on 16. September 2010
Neue Ausstellung in der Museumsgalerie Allerheiligenkirche: Marion Walthers Sprache für nicht Sagbares

Was ist Glück? Für die Keramikerin und Grafikerin Marion Walther aus Mühlhausen brachte der Mittwochabend einige Stunden Lebensglück. Viele Freunde und Gäste gratulierten ihr in der Museumsgalerie Allerheiligenkirche zu ihrer Ausstellung „Wandlungen“.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

Dem Glück vorausgegangen waren Monate Fleißarbeit. Marion Walther, die seit fast drei Jahrzehnten als Künstlerin und Kunstvermittlerin die Kunstgeschichte in Mühlhausen mitgestaltet, ist ehrgeizig und anspruchsvoll an sich selbst. Nie käme es ihr in den Sinn, bereits in einer Ausstellung Gezeigtes dem Publikum noch einmal zu präsentieren. Ihr Ehrgeiz geht so weit, dass sie sich in den Techniken regelrecht antreibt. Es scheint, sie ist eine, die es immer drängt, neue Ausdrucksformen zu finden. „Für das nicht Sagbare“, wie sie bekennt.

Das „nicht Sagbare“ findet sich in ihren neuesten Arbeiten in geschrundenen und aufgerissenen Oberflächen wieder. Archaisch wirken zwar auch viele ältere Arbeiten von Marion Walther. Doch in „Wandlungen“ ist eine neue Qualität sichtbar, wie es sie bislang noch nicht gab. Das liegt zum einen an dem neuen Material, das die Künstlerin mit zum Einsatz bringt. Den ihr so vertrauten groben Ton verbindet sie mit edlem weißen Porzellan – eigentlich ein Fauxpas. Doch bei Marion Walther wird dieser Verstoß gegen geltende Regeln zu einer Kunstform, die „nicht Sagbares“ eindringlich sichtbar macht. Besonders die mit dieser neuen Technik gestalteten Köpfe erzählen von Stolz und Verletzlichkeit, von Verlangen und Entbehrungen, von Schönheit und Vergänglichkeit.

Über ein Jahr lang hat Marion Walther mit der Kombination Ton-Porzellan experimentiert. Sie hat geplant und skizziert, Formen entwickelt und verworfen und wieder von vorn begonnen. Für sie selbst war diese Phase ein Prozess der „Wandlungen“, bis die Figuren ihre harmonische Vollendungen bekamen.

Den Fleiß und das meisterliche Können der Künstlerin würdigte am Mittwochabend in der vollen Allerheiligenkirche auch die Erfurter Kunsthistorikerin Eike Küstner. „Wandlungen setzen etwas fort und sind zugleich Neues“, sagte sie in ihrer Laudatio.

Museumdirektor Thomas T. Müller würdigte Marion Walther vor allem als einen Menschen mit stets freundlichem Lächeln. Er schätze vor allem „ihre Offenheit, ihre nahezu uneingeschränkte Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen und ihren Kampfesmut, wenn es um die Kunst geht.“

Musikalisch begleitet wurde die Ausstellungseröffnung durch „Jazz Affairs“ – das sind Simone Christ mit wunderschönem Gesang und Ulrich Bernhard mit sensiblem Spiel auf dem Piano. Bis in die späten Abendstunden erklangen ihre Lieder in der Allerheiligenkirche. Ihnen zu lauschen, die Arbeiten von Marion Walther wirken zu lassen und mit Kunstinteressierten ins Gespräch zu kommen – auch das war Glück an diesem Abend, sowohl für die Künstlerin als auch das Publikum.

DIASCHAU

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