Magier der Klänge

Posted by on 30. August 2010
Falk Zenker entführte sein Publikum während der „Gedankenreise“ bis in den Regenwald

Gedankenverloren schreitet der Mann durch den Kirchengang. Er geht auf Strümpfen. Kein störender Klang soll sein inniges Spiel auf der Gitarre stören. Es ist Falk Zenker, der in der Kirche St. Ulrich in Eigenrieden auf „Gedankenreise“ geht.

Von Iris Henning

EIGENRIEDEN.

„Die magische Gitarre“, ist in der Einladung zum Konzert zu lesen. Das ist nicht ganz korrekt. Richtig müsste es heißen „Der Magier und seine Gitarre“. Denn so, wie Falk Zenker mit seinem Instrument die Klänge im Kirchenraum schweben lässt, scheint es Zauberei. Das Publikum lauscht gebannt dem sich überlagernden Gesang der Gitarre. Längst hat der Klangmagier Platz genommen auf einem Schemel ganz vorn, vor den Kirchenbänken. Bescheiden sitzt er da, in sich gekehrt und doch hochkonzentriert und sehr sendebewusst. Seltsamerweise ist meist viel mehr zu hören, als das Publikum den Magier spielen sieht. Und es sind weiß Gott nicht immer nur Gitarrenklänge. Zenker bringt beispielsweise das Kunststück fertig, das Kirchenschiff in einen tropischen Regenwald zu verwandeln. Dicke Tropfen trommeln auf üppiges Laub, exotische Tierstimmen sind ganz nah und machen die Geräuschkulisse perfekt. Eigentlich muss man nur noch die Augen schließen, um sich selbst in diese Wald-Illusion hineinzuzaubern und zu vergessen, dass man eigentlich auf einer Kirchenbank sitzt.

Solch Zauber geschieht oft während des Ein-Mann-Konzerts. Der Klang-Virtuose lässt Glück und Trauer, Sehnsucht und Erfüllung intensiv fühlen.

Nicht satthören wollen sich die Gäste. Drei Zugaben fordern sie Zenker an diesem Abend noch ab, ehe sie ihm Feierabend gönnen. Der Magier gewährt sie mit einem Lächeln im Gesicht. Er spielt gern in Kirchen. Das müsste er eigentlich gar nicht sagen. Das sieht, das spürt man. Ginge es nach ihm, sagt er trotzdem, sollten Kirchen viel öfter als Konzerthalle und für Kunst genutzt werden. So wie derzeit die sieben Kirchen links und rechts des Landgrabens, die in diesem Jahr Gastgeber für „Kunst in Kirchen sind“. Dazu zählt auch die kleine Dorfkirche St. Ulrich in Eigenrieden. Dort stellt die Erfurter Künstlerin ein riesiges Doppelkreuz aus. Aus Vlies und handgeschöpftem Papier ist es gestaltet und scheint im Raum zu schweben. Während des Zenker-Konzerts war diese Arbeit eine äußerst reizvolle Kulisse.

Die nächste Begleitveranstaltung zu „Kunst in Kirchen“ findet am Freitag, 3. September, in der Kirche St. Georg in Dörna statt. Dort, wo Beate Debus aus Oberalba/Rhön Skulpturen zeigt, wird es ein Konzert mit Oliver Stechbart geben. Es beginnt um 19 Uhr; der Eintritt ist frei.

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