Traumhafte Klangwelten

Posted by on 22. August 2010
Das Palumpa-Land war Gastgeber für das 1. Festival der Ur-Musik

Ein Gong ertönt. Und noch einer. Dann verwischen sich die einzelnen Schläge in ein seltsames Singen. Es klingt eigentümlich vertraut und doch so fremd. Es ist ein Singen wie aus einer fernen Vergangenheit oder aus einer fernen Zukunft. Dieses Singen, dieses Anschwellen zur hohen Klangintensität, ist ein Stück „Ur-Musik“.

Von Iris Henning

NIEDERDORLA.

Kinder, Frauen und Männer haben es sich auf großen Kissen bequem gemacht. Manche sitzen auf dem Sofa oder im Sessel. Auch die, die auf den letzten Drücker in die Veranstaltungshalle auf dem Zeltplatz „Palumpa-Land“ gekommen sind, finden noch Platz. Für sie werden flugs Holzbänken herbeigeholt. Jeder ist willkommen, alle sollen Platz finden.

Diese Kinder, Frauen und Männer sind Neugierige, die wissen und vor allem hören wollen, was Ur-Musik denn sei. Erstmals hatte das Palumpa-Land zu einem Festival der Ur-Musik eingeladen. Sechs „Ur-Musiker“ hatten ein ganzes Arsenal voll seltsamer Instrumente auf der Bühne aufgebaut. Wenn ein australisches Didgeridoo auch hier, in der Nähe des Mittelpunktes Deutschlands, längst bekannt ist und ein Gong ebenfalls nicht mehr unter der Kategorie „Unbekanntes“ steht, gaben andere Instrumente doch schon Rätsel auf. Gut, dass das große gewölbte Blech mit den aufmontierten „Antennen“ als Stahl-Cello vorgestellt wurde. Dabei hätte dieses wundersame Instrument einen schöneren, klangvolleren Namen mehr als verdient. Richtig weggeträumt haben sich die Zuhörer, als Jan Heinke – er kam aus Dresden – mit dem Bogen über die „Antennen“ strich und dazu im hier sehr selten zu hörenden Oberton sang.

In einen wunderbaren Klangrausch spielte auch Volker Lauckner (aus Delitzsch) die Lauschenden. Sein Spiel auf den Gongs war nicht nur zu hören – diese Klänge waren intensiv zu fühlen. Wohltuende Entspannung brachte ebenfalls sein Spiel auf den Klangschalen und dem „ singenden Stein“. Emotional schließlich auch das zarte Spiel von Bettina Kallausch (aus Gotha) auf ihrer Harfe. Die gefühlvolle Verwöhnakustik von Andreas Brinsa aus Leipzig mit seinen getrommelten Rhythmen aus Südamerika und Afrika sowie von Bernd Rassenberg aus Wolkenstein (Erzgebirge) mit den Klängen aus seinen vielfältigen Didgeridoos machten diesen Konzertabend ebenfalls zu einem wundervollen Klangerlebnis.

Die wie gebannt lauschenden Kinder, Frauen und Männer waren hin und weg vom Zauber dieser Ur-Musik. Diese Musik scheint keine Komposition zu brauchen, sie entsteht aus dem Hier und Jetzt und vollbringt das Wunder, eine emotionale Gemeinsamkeit herauf zu beschwören, wie es der gigantischen Musikindustrie nie gelingen wird.

„Leibhaftige Musik“, nennt Vincent Herb diesen Rhythmus. Diese Musik ist „wild hingeträumt aus einem alten Klang, aus allen Lebens irdischem Vibrieren.“ Der Weimarer trat ebenfalls während des 1. Festivals der Ur-Musik auf. Er begeisterte die Lauschenden ebenfalls mit dem mystischen Gesang des Didgeridoos. Auch dieser Gesang kroch durch die Ohren mitten in die Gefühlswelt.

Tief entspannt und mit einem Hauch Glückseligkeit entließen die Musiker ihr Publikum in die Nacht. Berührt und noch eingehüllt von dem Nachklang dieser Ur-Musik ging es auf den Heimweg, zurück in eine Welt, die viel mehr solcher Ur-Musik, weit weg vom Streben nach Perfektionismus und Erfolg, brauchen könnte.

One Response to Traumhafte Klangwelten

  1. Vincent Herb

    Liebe Iris Henning,
    Es hat mich berührt, wie Sie mit Ihrem Artikel die Stimmung des Festivals für Ur-Musik eingefangen haben und das Anliegen der Musiker und Veranstalter wiedergeben konnten. Ihr Beitrag strahlt viel Einfühlungsvermögen aus und erreicht hoffentlich viele Menschen. Liebe Grüße aus Weimar, Vincent Herb.

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