Putz drüber

Posted by on 13. August 2010
Ein Relief nach Vorlagen des Thüringer Künstlers Otto Knöpfer soll verschwinden

Ein schönes Relief befindet sich an der Südseite der Mühlhäuser Nikolaischule. Doch kaum wer weiß, dass dieses nach Entwürfen von Otto Knöpfer (1911 – 1993), einem der bedeutendsten Thüringer Maler, gearbeitet wurde. Jetzt wird die Schule saniert und das Relief soll unter einer Wärmedämmung verschwinden.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

Die Szene ist voller Leben. Kinder schmücken eine Quelle mit Blumen, Jugendliche tanzen, eine junge Familie hält sich im Hintergrund. Das Äußere Frauentor ist zu sehen und ein stilisierter Mühlstein. Dieses Bild verkörpert jahrhundertealte Tradition: das Brunnenfest und die einstige Bedeutung der Mühlen, die Mühlhausen den Namen gaben.

Angebracht wurde das Relief während der Bauphase dieser Schule an der Altenburgstraße, in den Jahren 1970/71. Daran erinnert sich Dr. Ernst Flatau, der einstige Schulleiter, noch ganz genau. Er erzählt von vielen Besprechungen, in denen das Bildmotiv im Mittelpunkt stand. Der in Erfurt lebende Künstler Otto Knöpfer war mit der Zeichnung beauftragt, die Vorlage für das Relief werden sollte. Der freischaffende Künstler war bekannt und anerkannt dafür, die thüringische Landschaft, ihre geographischen Besonderheiten und die Stimmung der Natur gestalterisch umzusetzen. Seine Bilder zeigen die tiefe Verbundenheit mit seiner Heimat. Diese Verbundenheit sollte auch das Relief an der Schule widerspiegeln.

Bauarbeiter des einstigen Wohnungsbaukombinats Mühlhausen haben dann nach den Zeichnungen Knöpfers das Relief erarbeitet. „Eine komplizierte Geschichte“, weiß Dr. Flatau. Heute staunt der Mühlhäuser Senior noch, wie gut sich die Farben des Reliefs über die 40 Jahre erhalten haben.

Zu befürchten ist, dass von Farben und Relief nichts mehr übrigbleibt. In wenigen Tagen beginnen die Bauarbeiten an der Fassade – eine Wärmedämmung soll angebracht werden.

Während anderswo Ernst Knöpfer hoch geehrt wird, soll in Mühlhausen – sicherlich unbewussterweise – Putz über ihn gestrichen werden.

Mit einer ständigen Ausstellung setzten ihm die Thüringer zum Beispiel im Schloss Molsdorf bei Erfurt ein bleibendes Denkmal. Stolz auf Arbeiten von Knöpfer ist man auch in Arnstadt (Schlossmuseum, Knöpfer-Kabinett), in Eisenach (Thüringer Museum), in Erfurt (Angermuseum), in Gotha (Schlossmuseum, Schloss Friedenstein) und Jena (Stadtmuseum Göhre). Auch die Mühlhäuser Museen sind glücklich, in ihrer Sammlung „Thüringer Kunst“ Exponate von Knöpfer zu wissen. Ein in seinem Geburtsort Holzhausen ansässiger Freundeskreis Otto Knöpfer e. V. bemüht sich um die Würdigung seines Werkes in seinem Heimatort. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist der Erhalt des Hauses seiner Kindheit, Jugend und frühen Schaffensjahre.

Aber nicht nur Museen und Kunstsverbundene ehren diesen naturverbundenen Maler. 1996 wurde ihm zu Ehren der „Otto-Knöpfer-Wanderweg“ zwischen Arnstadt und dem Drei-Gleichen-Gebiet eingerichtet.

Noch ist es für Mühlhausen nicht zu spät, ihren Knöpfer an der Nikolaischule zu retten.

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