Bunte Mori-Taten

Posted by on 29. Juni 2010
Der Mühlhäuser Bildhauer Olaf Meinel leitete ein Experiment und denkt nun an Wiederholung

Vier Meter in der Länge, knapp drei in der Breite: Das Viereck ist abgesteckt. Für zwei Tage ist es der Tatort für das „Mori-Taten“-Symposium im Café „Bisschen bunt“ in Dachrieden. Die Täter: drei Künstler und die Autorin dieses Beitrages. Ihr Auftrag: Skulpturen schaffen.

Von Iris Henning

DACHRIEDEN.

Da stehe ich nun zwischen den Profis. Auf meinen Arbeitstisch hat der Mühlhäuser Bildhauer Olaf Meinel einen Quader aus Gasbeton gepackt. „Das wird ein Fisch“, sagt er.

Gut. Ein Fisch also. Er meint, so etwas sei eine gute Übung für einen Anfänger. Einen Hammer aus Holz gibt er mir, dazu unterschiedliche Stemmeisen. „Klöpfel, Spitzeisen, Zahneisen, Hundespitz“, erklärt der Meister. Dann wird’s wie im Mathematik-Unterricht. Mein Quader wird mit einem Bleistift in Kreise, Rechtecke und Kuben aufgeteilt. Und irgendwann erkenne auch ich den „Fisch“ im Stein. „Den musst Du jetzt nur noch rausholen“, sagt der Bildhauer, als wäre ich eine Anglerin. Natürlich muss ich nicht angeln und Olaf Meinel lässt mich auch nicht zappeln. Er ist ein guter Lehrmeister. Rechteck um Rechteck kommen wir dem Fisch näher. Schlag für Schlag nähere ich mich dem eigenständigen Arbeiten. Der Gasbeton ist weich, gibt schnell nach. Trotzdem wird es Stunde um Stunde anstrengender. Morgen werde ich Muskelkater im „Schlagarm“ haben.

Ob es meinen „Mori“-Taten-Mittätern ähnlich geht? Fische machen sie keine. Die sind ihnen bestimmt zu einfach. Während ich immer noch an der guten Figur meines Meerestieres arbeite, hat Reinhard Wand, der Maler aus Dachrieden, längst einen ernst und nachdenklich blickenden Charakterkopf als Relief herausgearbeitet. „Der ist gut“, lobt Olaf Meinel, der ständig von einem zum anderen geht, Hinweise gibt und hilft. Matthias Peinelt, Designer, Grafiker und Maler, liebt es witzig-spritzig. Seine freche Malerei – eine keck blickende Frau mit schiefen Augen und schiefen Brüsten – wird ebenfalls zum Relief. „Und das wird noch richtig bunt“, sagt er.

Mein Fisch wird auch bunt, denke ich. Ein verliebter Zirkusfisch mit Kulleraugen und Kussmund, was schönes Kitschiges, wäre als Anfang gar nicht schlecht. Während meine Fantasie schon davon schwimmt, gibt es ein leises Knack-Geräusch. Ab ist die Flosse und aus der Traum von einer steilen Zirkus-Karriere.

„Künstlerpech“, sagt Olaf Meinel. „Aber Du schaffst noch einen Fisch“, sagt er und schon habe ich einen neuen Quader auf meinem Tisch. Die Mittagspause wird kurz. Kaffee fällt aus. Am Abend sind dafür zwei Prachtexemplare von Gasbeton-Fischen fertig. Die werden am nächsten Tag angemalt: der eine grün, der andere türkis. Und Kussmäuler bekommen sie auch. Nur im Zirkus werden sie nicht auftreten. Sie werden, genau wie das Relief von Matthias Peinelt, im schönen Hof des Cafés „Bisschen bunt“ als „Mori-Taten“-Erinnerung bleiben. Während die unverkäuflich sind, hat das Relief von Reinhard Wand bereits einen Interessenten gefunden

„Das war ein tolles Arbeiten“, freut sich Symposiumleiter Olaf Meinel über seine gelehrigen Schüler und die Arbeitsergebnisse. „Für mich war es ein Experiment, mal mit Nicht-Bildhauern zu arbeiten. Es ist gelungen“, sagt er. Nun überlegt er, ob es ein „Mori-Taten“-Fortsetzung geben kann.

Namensgeber für das Symposium-Experiment waren übrigens die Anfangsbuchstaben der Vornamen der Beteiligten: Matthias, Olaf, Reinhard und Iris. Abgeneigt, die Mori-Taten fortzuschreiben, ist niemand von ihnen.

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