Glück in Quadratmetern

Posted by on 10. Juni 2010

Je etwa 300 Quadratmeter groß ist das grüne Glück der Mühlhäuser Familie Dieter und Sabine Madeheim und das und von Ute Auener. Die glückbringenden Quadratmeter liegen in der ältesten Gartenanlage von Mühlhausen, im „Luftbad“. Die einen am Igelweg, die anderen am Rosenweg. Es sind zwei von etwa 145 Gärten in der Kleingartenanlage im Süden der Stadt.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

Was ist Glück? Dieter Madeheim lächelt. Für ihn und seine Frau, die mitten in der Stadt wohnen, bedeutet ihr kleiner Schrebergarten Glück. Hier gibt es keinen Verkehrslärm, hier gibt es viel Grün und nette Nachbarn. Die Zäune sind niedrig, man kennt sich seit Jahrzehnten. Einmal im Jahr wird sich zum Gartenfest getroffen. Das organisiert immer er. Etwas für den Zusammenhalt zu tun, macht ihm Freude.

„Für mich ist mein Garten ein schönes Gegengewicht zum Alltag in der Stadt und im Beruf“, blickt Dieter Madeheim mit einem leisen Lächeln von seiner kleinen Terrasse aus über seine Gartenwelt: Die Bohnensaat ist aufgegangen, die Kartoffeln gucken aus der Erde, die Erdbeerernte ist nicht mehr weit hin, die Blumen blühen in voller Pracht. Der 61-jährige liebt diesen immer wiederkehrenden Rhythmus von Säen, Wachsen, Gedeihen und Ernten von gesundem Gemüse und Obst. „Das ist für mich Entspannung pur“, erzählt er. Fleißige Helfer hat er auch an seiner Seite: seine Enkelkinder, die sechs, sieben und acht Jahre alt sind. Sie erleben ein Stück Natur, wissen vermutlich im Gegensatz zu so manchem Gleichaltrigen, dass Kartoffeln in der Erde wachsen und nicht im Supermarkt, dass richtige Erdbeeren süß schmecken und nicht wässrig.Auch das macht Dieter Madeheim glücklich: „Unser Garten ist ein Treffpunkt für die ganze Familie“. Und immer sei die Freude groß, wenn die Ernte aus dem Garten als leckeres und natürlich gutes Essen auf dem Tisch steht.

Ein Garten, der das Prädikat „Denkmal“ verdient hätte, ist der in unmittelbarer Nachbarschaft, kaum zwei Wege weiter, am Rosenweg. Der ist das kleine Glück der früheren Kinderkrankenpflegerin Ute Auener. Das Prachtstück in diesem Garten ist die mit viel Liebe und Aufwand sanierte Laube, die wohl im Jahr 1907 gebaut wurde. Es gibt nur noch wenige gut erhaltene Lauben aus der Zeit der Gründungsphase dieser Kleingartenanlage. Das kleine Häuschen ist der ganze Stolz von Ute Auer, ebenso wie der alte Buchsbaum, der die Beete und Wege einfasst. „Auch der Buchsbaum ist so alt wie der Garten“, erklärt die Hobbygärtnerin. Es müssen einst wohlhabende Mühlhäuser gewesen sein, die sich solchen wertvollen und kostspieligen Gartenschmuck zur eigenen Freude und Entspannung leisten konnten. Dieses Erbe haben bereits die Schwiegereltern von Ute Auener gehegt und gepflegt. Seit 1987 ist sie die beschützende Gartenfee, die ihre Freude daran hat, wenn es den Pflanzen in ihrem kleinen Reich so richtig gutgeht. Freude bringen der Gartenfee ebenso die netten Plaudereien über den Zaun hinweg. Fremd ist man sich hier, im Süden der Stadt, längst nicht mehr. Die Nachbarschaften sind oft über Jahrzehnte hinweg gewachsen. Sie machen diese Kleingartenanlage zu einem harmonischen Ort der Begegnung, netter Gespräche und der Ruhe. Wer hier, im „Luftbad“, einen kleinen Schrebergarten hat, möchte freiwillig nicht weg. Von den insgesamt 145 Kleingärten sind gerade mal drei nicht verpachtet.

In Deutschland gibt es übrigens mehr als eine Million Kleingärten. Zusammengenommen haben diese eine Fläche von mehr als 46.000 Hektar, das sind etwa 9000 Fußballfelder.

Steckbrief:

Die Kleingartenanlage „Luftbad“ ist die älteste in Mühlhausen. Sie wurde 1903 gegründet. Die etwa 45 000 Quadratmeter am südlichen Stadtrand sind in 145 Parzellen zu etwa 200, 300 und 400 Quadratmeter aufgeteilt.

Dieter Madeheim (61) und seine Frau Sabine (60) haben ihren Schrebergarten vor 20 Jahren von den Eltern übernommen.

Ute Auener (61) hat ihre Parzelle ebenfalls von ihren Schwiegereltern übernommen.

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