Minimalistischer Erfolg

Posted by on 6. Juni 2010
Die meisten Werke der 14. Auktion des Kunstwestthüringers wurden wieder weggetragen

Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten: Nur selten konnte Auktionator Peter Zimmer am Freitagabend die Versteigerungsformel rufen. Das Publikumsinteresse an den angebotenen Miniaturkunstwerken hielt sich in bescheidenen Grenzen.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

Freundlich hergerichtet war der Saal im Haus der Kirche am Kristanplatz für die erwarteten Kunstfreunde. Gut und gern 80 Stühle standen sichelmondförmig um das Pult des Auktionators. Die meisten Stühle blieben unbesetzt. Nur wenige Interessierte und Neugierige waren gekommen. Zunehmende Enttäuschung zeichnete sich in den Gesichtern der Organisatoren, Künstler des in Mühlhausen ansässigen Vereins „Kunstwestthüringer“ und die Präsidentin der internationalen Künstlervereinigung „European artists“, Karola Teschler, ab. Noch kurz vor offiziell angekündigtem Beginn der Versteigerung beriet der interne Organisationskreis noch, ob man die Auktion Mangels Interesse noch absagen solle.

Ein auktionserfahrener Peter Zimmer trat dann schließlich doch an seinen Platz und verrichtete gekonnt seine Arbeit, als würde er vor einem prall gefüllten Saal agieren. Der Mühlhäuser Galerist ist als Auktionator kein Mann von vielen Worten, aber was er sagt, hat nicht nur Sinn, sondern auch den gewissen adrenalinfördernden Auktions-Charme. Auch wenn sich nach fünfzig aufgerufenen Werken immer noch kein Interessent meldet, lässt Zimmer keine Minute lang peinliches Schweigen aufkommen.

Ein erstes Aufatmen war dann aber doch von ihm zu hören, als es endlich ein erstes Gebot gab. Ein Bild des Bollstedter Malers Siegfried Böhning fand für die ausgerufenen 100 Euro einen Liebhaber. Ein bisschen in Schwung geriet die kleine Bietergesellschaft bei Bildern von Juliane Döbel und Friedrich Helmstädter (beide aus Mühlhausen). Immerhin gab es ein klitzekleines Angebotsscharmützel. Doch das blieb den langen Abend hin die Ausnahme.

Von den gut und gern 400 Miniatur-Bildern im Format 20 mal 20 Zentimetern wechselten im Lauf der Auktion gerademal zwölf den Besitzer. Internationales war kaum gefragt. Das regionale Publikum bevorzugte Kunst aus der Region, von Künstlern, die man kennen und schätzen gelernt hat.

Insgesamt 1350 Euro beträgt das Ergebnis der Kunstauktion, die die 14. in der 20-jährigen Geschichte des Vereins Kunstwestthüringers war. Damit liegt der Betrag geringfügig höher als zur 13. Versteigerung im vergangenen Jahr. Die brachte magere 1150 Euro. Im Kunstwestthüringer wertete man dieses Ergebnis als Fiasko und „katastrophalen Erfolg“. Wurden doch die Jahre zuvor jeweils Bilder und Objekte für gut zehntausend Euro und mehr verkauft.

Von solchen Summen hat man sich verabschiedet. „Vor dem Hintergrund unserer geringen Erwartungshaltung sind wir eigentlich zufrieden“, resümierte Judith Unfug-Leinhos, die neue Vorsitzende der Künstlervereinigung. Enttäuschend sei allerdings die Interessenlosigkeit auf offizieller Seite, fügte sie an. „Von Politik und Wirtschaft werden wir so gut wie nicht wahrgenommen“, bemängelte sie. Gerade bei dieser Auktion habe sie sich Aufmerksamkeit versprochen, da sie doch einem guten Zweck diente. So soll ein Teil des Verkaufserlöses der Kinderstation des Asumbi Mission Hospitals in Kenia zugutekommen.

Die Mehrzahl der 400 Arbeiten von mehr als 120 Künstlern aus 31 Ländern wurden noch am Auktionsabend wieder in Kisten und Kartons verpackt. Als Ausstellung „art20“ wandern weiter zur nächsten Stadt, nach Paderborn. Auch dort werden die kleinen Werke zum Kauf zugunsten der Kinderstation angeboten. So günstig wie zur Versteigerung werden die Preise aber nicht sein.

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