Wie Technik zu Müll wird

Posted by on 29. April 2010
Theaterwerkstatt 3K sieht ihre neue Mikrofonanlage von Mobilfunk-Frequenzen-Auktion bedroht

Die Bundesnetzagentur versteigert derzeit von Mobilfunkkonzernen sehr begehrte Frequenzen. Die Bundesregierung verspricht sich aus der Auktion Milliarden an Einnahmen. Veranstaltungsausrichter und Theater im ganzen Land befürchten für sich dagegen große Ausgaben. Auch die Mühlhäuser Theaterstätte 3K sieht die Versteigerung mit begründeter Sorge.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

„Sind diese Frequenzen versteigert, dann können wir unsere Funkmikrofonanlage in die Tonne klopfen“, sagen Thorsten Zietsch und Sebastian Gabriel. Die Techniker in der 3K Theaterwerkstatt sind empört über die Versteigerung durch die Bundesnetzagentur. Sie werden, wie alle Nutzer solcher Mikrofonanlagen, quasi vor die Tür gesetzt. Alle im Handel übliche Technik für dieses Segment basiert auf genau jenen Frequenzen, die nun bald in Konzernbesitz sein werden. Vier große Unternehmen bieten derzeit um die Bereiche 800 Megahertz, 1,8 Gigahertz, zwei Gigahertz und 2,6 Gigahertz für diesen drahtlosen Netzzugang zum Angebot von Telekommunikationsdiensten: E-Plus, O2, T-Mobile und Vodafone D2. Viel Geld sind den Konzernen diese Frequenzen wert. Mit diesen kann Internet via Mobilfunk deutlich schneller werden und sogar die bisher bekannte DSL-Geschwindigkeit überholen. Vorteile versprechen diese Frequenzen aber immerhin den mit schnellen Internetverbindungen unterversorgten Gebieten. So ist die Vergabe der Frequenzen an strenge Vorgaben für den Ausbau der Internet-Versorgung gebunden. Erst wenn Gemeinden und Städte mit höchstens 5 000 Einwohnern schnelle Internetanschlüsse bekommen haben, dürfen die Unternehmen die für sie lukrativere Versorgung von größeren Städten angehen.

Was die Hoffnung der Internet-Unterversorgten steigen lässt, sorgt unter den Nutzern drahtloser Mikrofonanlagen für Unmut. Denn werden die Frequenzen erst von den Konzernen genutzt, ist eine Betriebssicherheit der Mikrofonanlagen nicht mehr gewährleistet. „Wir gucken in die Röhre“, befürchten Thorsten Zietsch und Sebastian Gabriel. Geld für eine neue technische Ausstattung ist nicht da. Die Theaterwerkstatt lebt seit Jahren am Limit des Existenzminimums.

Vor dem Technik-Dilemma stehen nicht nur die Mühlhäuser Theaterwerkstatt und Veranstaltungsanbieter. Das Theater Erfurt sieht als Folge der Versteigerung erhebliche Kosten auf sich zukommen. Der technische Direktor, Stefan Richter, spricht von etwa 100 000 Euro, die das Theater dann neu investieren müsste. Auch das Deutsche Nationaltheater in Weimar rechnet mit erheblichen Mehrkosten. Durch die Frequenzversteigerung würde ein kompletter Umbau der Bühnentechnik nötig, befürchtet man dort.

Woher kommen diese hohen Kosten? Die im Theater verwendeten sogenannten Mikroportanlagen zum Senden und Empfangen für Drahtlosmikrofone arbeiten in genau jenem zur Versteigerung stehenden Frequenzbereich zwischen 790 bis 862 Megahertz. Dieser Bereich kann dann nicht mehr genutzt werden, erklären die 3K-Techniker. Ein Umrüsten der vorhandenen Technik halten sie für nicht machbar. Eine Neuanschaffung kommt für die 3K-Theaterwerkstatt aus Kostengründen nicht in Frage. „Wir müssten auf unsere alten Kabelmikrofone zurückgreifen“, sieht man in der Theaterwerkstatt die einzige Alternative. Dieser Rückschritt scheint unter den derzeitigen Bedingungen vorprogrammiert.

„Wir finden das ziemlich unfair“, sieht man sich in der Theaterwerkstatt benachteiligt. „Mit der Anschaffung der kabellosen Technik haben wir doch schon Geld für die Nutzung der Frequenzen bezahlt. Und nun müssen wir bald zusehen, wie wir zurecht kommen“, meint Sebastian Gabriel. „Wenn die Versteigerung wirklich Milliarden bringt, dann sollten die Veranstalter, die sich auf die Zukunftsfähigkeit ihrer modernen Anlagen verlassen haben, eine entsprechende Erstattung bekommen“, wünscht er sich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.