Zu Fuß ans Ende der Welt

Posted by on 7. April 2010
Sie geht dann mal weg: Die Diedorferin Beate Piehler wandert den Jakobsweg

Der Rucksack ist gepackt, am Montag, 12. April geht es los: von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Santiago de Compostela weiter bis ans sogenannte Ende der Welt, bis ans Kap Finisterre. Auf 900 Kilometer Wandertour begibt sich die Diedorferin Beate Piehler. Sie will für eine Weile weg, will abschalten vom Alltag

Von Iris Henning

DIEDORF.

Dreizehn Kilogramm wiegt der Rucksack. Eigentlich zu viel, um wochenlang auf dem Rücken mitgeschleppt zu werden, meint Beate Piehler. Doch es ist nur das Notwendigste drin: einmal Wechselwäsche, Regenschutz, Treckingsandalen, Schlafsack, Waschzeug,Wanderführer, Fotoapparat, Tagebuch. Minimalismus ist für die 50-Jährige angesagt für die nächsten Wochen. Sie will den Jakobsweg wandern, will von Frankreich, über die Pyrenäen und durch Spanien zur Jakobus-Kathedrale in Santiago de Compostela und dann noch weiter ans Kap Finisterre. Eile hat sie nicht mit in ihr Gepäck genommen. Sie will sich sieben Wochen Zeit lassen für die 900 Kilometer Fußmarsch, will die Tage und Erlebnisse genießen, sich nicht hetzen lassen von Ankunftsterminen, sie will verweilen, wo es ihr gefällt. „Ich lasse alles auf mich zukommen“, sagt die Wanderin. Nur ein Termin steht fest: der des Rückfluges am 29. Mai.

Beate Piehler ist erfahren in Wanderungen und außergewöhnlichen Unternehmungen. Sie umrundete in zwölf Tagen den Mount Blanc, ging den Berliner Höhenweg und den Stubaier Höhenweg, bewältigte Gipfel in den Alpen, war auf der Zugspitze und dem Dachstein. 2006 trat sie zur Treckingtour zum Basislager am Mount Everest in Nepal an. Immer war ihr Mann Jürgen an ihrer Seite. Dieses Mal nicht. Dieses Mal geht sie allein. Sie will es so. Ihr Mann hat Verständnis. Aber: Jeden Tag eine SMS, wie es ihr geht, wo sie gerade ist, das wünscht er sich schon von ihr. Er würde sonst vergehen vor Sorge um sie. Er wird dies Kurznachrichten bekommen, sie hat es versprochen. Auch ihre Kinder und Enkel werden stets wissen, wo sie gerade ist.

Der Gedanke an ihre Familie macht es ihr schon ein bisschen schwer ums Herz, sich für sieben Wochen zu lösen. Und doch: „Dieser Weg ist mein Traum“, sagt sie. Und die Gelegenheit, sich diesen gerade jetzt zu erfüllen, ist günstig. Später nicht mehr. Später wird sie als künftige Leiterin im Awo-Pflegeheim in Bad Langensalza schwerlich sieben Wochen entbehrlich sein. Jetzt, da sie ihre Nachfolgerin als Pflegedienstleiterin eingearbeitet hat, kann sie noch eine kleine Auszeit nehmen, bis sie die Nachfolge der scheidenden Leiterin antritt: ausgeruht und ausgeglichen durch die lange Wanderung, so hofft sie.

Mit einer Handbewegung wischt sie all die Gedanken erst einmal zur Seite. Dort steht der Rucksack. Die nächsten sieben Wochen gehören ihr. Ihr Mann wird sie nach Frankreich fahren, in Saint-Jean-Pied-de-Port verbringen sie das Wochenende gemeinsam. Dann machen sich beide auf den Weg: Er fährt die etwa 1600 Kilometer wieder nach Hause, sie läuft gut 900 Kilometer bis ans Ende der Welt. Es ist in etwa die Route, die auch der Komiker Hape Kerkeling gewandert ist. Ein Wiedersehen zwischen Beate und Jürgen Piehler gibt es erst am 29. Mai wieder, wenn das Flugzeug gegen die Mittagszeit in Frankfurt landet.

Über ihre Erlebnisse will Beate Piehler versuchen, im Internettagebuch zu schreiben: www.beateundjuergen.de. Kurze Berichte schickt die Wanderin auch an ihre Zeitung, an die Thüringer Allgemeine.

5 Responses to Zu Fuß ans Ende der Welt

  1. Famile Armann

    Die Familie Armann drückt ihr ganz dolle die Daumen, das sie eine wunderbare Zeit dort erleben darf, dass sie loslassen kann vom Alltag, dass das Wetter mitspielt, dass die viele Speicherkarten ausreichen und die Kamera durchhält und vor allem stets beste Gesundheit, damit die Kräfte reichen um das „Ende der Welt“ zu sehen. Wir sind gespannt auf die Berichte per sms und mail und fiebern dem Tag der Rückkehr schon jetzt entgegen:-)

    Alles Gute, Tochter Susanne mit Toni und Sohn Julian

  2. Fam.Piehler Eisenach

    Die 3 Piehlers aus Eisenach wünschen auch viel Gesundheit, viel Kraft und viel Freude auf der nicht ganz einfachen Reise. Auf das der Rucksack nie zu schwer wird und die Füße immer weiter laufen.
    Wir freuen uns auch schon auf viele Bilder und tolle Berichte!!!
    Komm gesund und munter wieder nach Hause.

    Deine Enkel Jonathan und Destiny Joanna mit Mama Maria

  3. S. Koch

    Hallo Beate,
    ich bewundere deinen Mut und wünsche dir eine spannende Zeit mit vielen tollen Erlebnissen, alles erdenklich Gute sowie das notwendige Quäntchen Glück! Freue mich schon auf deine Reiseberichte. Komm gesund zurück!
    Liebe Grüße:
    Sigrid

  4. T-Resa

    Hallo Mutti,
    da wir ja zur Zeit kein Internet haben kann ich dir erst jetzt schreiben. Mittlerweile bist du schon auf deiner Reise. Der Abschied war schon ein wenig schwer, aber es ist ja nicht für immer. Du bist ja nicht allein, du wirst sicher viele nette Leute kennenlernen und dich wohl fühlen. Aber 7 Wochen sind schon eine lange Zeit und du bist grad mal 2 Tage weg……aber wir kommen schon zurecht, die hauptsache ist das du Spaß hast und das es dir gut geht. Wir denken alle jeden Tag andich und fragen uns wo du gerade bist. Ich wünsche dir von ganzem Herzen eine schöne Zeit, viele tolle Erlebnisse und auch ein paar schöne Momente zum Entspannen und Erhohlen. Pass gut auf dich auf. Wir warten hier auf dich und freuen uns schon total wenn du wieder da bist.
    Bis bald. Küsschen Resa

    PS: Der Spruch auf der Postkarte ist perfekt: Nimm dir Zeit, kugel dich einfach mal ein und du wirst gestärkt wieder hervortreten.

  5. Angelika Meißner

    Ultreia Beate,

    herzliche Grüße aus dem etwas bedeckten und windigen Thüringen/Mühlhausen, sendet dir Angelika

    Ich lese täglich deine Etappenberichte vom Camino und begleite dich in Gedanken. Einfach toll, wie weit du schon gekommen bist! Das Wetter scheint ja auch mitzuspielen. Das ist ja immer wichtig. Es wäre weniger schön, wenn du täglich mit nassen Klamotten unterwegs wärest und jeden Tag neu in die nassen Sachen schlüpfen müsstest, weil nichts so richtig trocknet. Aber wenn Engel reisen….
    Die körperlichen Beschwerden sind eigentlich normal, denn du machst ja keinen Wellnessurlaub, sondern eine Wallfahrt und da kann und muss es ab und an auch mal zwicken.

    Ich wünsche dir noch einen recht schönen Weg und viele nette Gespräche und Begegnungen auf dem Camino. Alles Gute und buen camino Angelika

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