Unverschämt komisch

Posted by on 4. April 2010
3K-Premiere: In „Alle deutschen Dramen an einem Abend“ geht es drunter und drüber

Wenn einem Regisseur nichts mehr einfällt, dann setzt er die Nebelmaschine ein. Und siehe da: Die Nebelmaschine setzte ein. Nun muss ja nicht alles wahr sein, was auf der Bühne so gesprochen wird, oder versprochen wird, etwa alle deutschen Dramen an einem Abend zeigen zu wollen.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

Rüdiger, Paul, Maik, Uta, Henriette und Felicitas wollen ja nur spielen. Und eigentlich heißen sie ja nicht wirklich so, es sind die Rollen, in die Florian Arndt (er macht den leicht chaotischen Rüdiger), Alexander Beck (der bisschen schwule und unterdrückte Paul), Ralf Bube (der Ich-will-den-Drachentöter-Siegfried-spielen-Typ), Theresa Müller (ein verliebtes Häschen), Luka Opitz (die Weiß-alles-besser-Frau) und Catherine Thon (die Schöne) schlüpfen, um Nathan, Recha, Daja, Fernando, Stella, Johanna von Orlean, Kriemhild, Brunhild und noch mehr Helden aus den Dramen der großen deutschen Meister zu mimen und kräftig zu einem einzigen theatralischen Chaos zu mischen.

Eine Geschichte mit Inhalt entsteht daraus nicht. Aber ein Riesenspaß schon, wenn unser mutiger Drachentöter-Held plötzlich wie eine Diva tanzt oder die Weber in ihrem Aufstand die Löffel abgeben oder Woyzecks Handy klingelt.

„Alle deutschen Damen an einem Abend“ von Robert Löhr ist die 66. Inszenierung der 3K-Theaterwerkstatt, die am Samstagabend Premiere hatte. Hinter diesem unverschämt anmaßendem Titel verbirgt sich ein unverschämt komisches Stück, in dem die kleine Schauspielertruppe Stücke von Lessing, Goethe, Schiller, Kleist, Büchner, Hebbel, Hauptmann, Brecht und Handke über die Bühne jagt und ein heilloses, rasantes Durcheinander anrichtet. Irgendwie schaffen es die Schauspieler dann doch noch zu einem grandiosen Finale, das vollkommen ohne Nebelmaschine auskommt. Denn Regisseur (Bernhard Ohnesorge) und Schauspieler leiden keineswegs an Einfallsmangel. Im Gegenteil. „Alle deutschen Dramen an einem Abend“ ist purer Spaß.

(Nächste Vorstellungen am 16 und 17. April, jeweils ab 20 Uhr, in der 3K-Spielstätte Kilianikirche)

DIASCHAU

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