Als der Traktor schlapp machte

Posted by on 23. März 2010
Landolf Scherzer las innerhalb des Bücherfrühlings in der Stadtbibliothek Jakobikirche

Er hat zwar nicht die Welt mit den Füßen vermessen. Ein Stück Osteuropa aber schon: Landolf Scherzer stellte innerhalb des Thüringer Bücherfrühlings und als Gast im TA-Cafe‚ in der Stadtbibliothek Jakobikirche sein neues Buch vor.

Von Iris Henning

MÜHLHAUSEN.

Jedes Buch des freien Schriftstellers Landolf Scherzers beruht auf einem Abenteuer. Wenn er sich auf den Weg macht, sucht er sie geradezu. Sei es, um einst als DDR-Autor das Innenleben der SED und die Sisyphus-Arbeit eines leitenden Parteifunktionärs hautnah mitzuerleben („Der Erste“, 1988) oder sei es in „Der Grenz-Gänger“ (2005). 400 Kilometer wanderte er für dieses Buch auf dem Kolonnenweg, der einst Thüringen von Bayern und Hessen trennte, er ging in die Dörfer hüben und drüben und sammelte Begegnungen.

Knapp fünf Wochen war der Umtriebige diesmal entlang der Grenzen zwischen Ungarn, Kroatien, Serbien und Rumänien unterwegs. Dabei sollte es ursprünglich eine Reise mit dem Traktor werden. Doch der hatte kurzfristig schlapp gemacht. Also ging er zu Fuß auf die lange Reise, nicht wissend, wo er die Nächte verbringen und was ihn tagsüber erwarten würde.

Aus den vielen Begegnungen mit den Menschen entstand mit seinem neuen Buch „Immer geradeaus – Zu Fuß durch Europas Osten“ ein lebendiges Porträt Osteuropas im Umbruch. Aus diesem noch gerade rechtzeitig zur Leipziger Buchmesse erschienenen Buch, das er selbst ein „Buch für die kleinen Leute“ nennt, las er. Mit diesen Geschichten hatte der 69-Jährige die Zuschauer schnell auf seiner Seite. Sie amüsierten sich mit ihm genauso über wunderliche Begegnungen, wie sie die nachdenklichen Momente der Reise mit ihm teilten. Zudem unterhielt Scherzer eingangs mit einigen Anekdoten, die wohl nicht so recht ins Buch passten aber als Hintergrundwissen zwischen den Zeilen interessant sind.

Das Publikum in der voll besetzten Stadtbibliothek hörte dem Schriftsteller mit dem sympathischen Südthüringer Dialekt gebannt zu, kostete jede Leseminute aus.

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