Spaß an den Nanas

Posted by on 23. Februar 2010
Letzter Jugendkunstschul–Workshop für Eltern und Kinder in den alten Räumen

Zuerst lösten sie Entsetzen und Proteste aus. Heute zählen die berühmten Nanas zu den Sehenswürdigkeiten im Stadtbild Hannovers. Gestaltet wurden sie Mitte der sechziger Jahre von der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle. Die Nanas waren jetzt für Schüler der Mühlhäuser Jugendkunstschule Vorbilder. Während eines Wochenend-Workshops gestalteten sie ihre eigenen Nanas.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.

Was ist eine Nana? Die schrill bunten Frauenskulpturen mit überdimensionalen Rundungen wurden erstmals im Oktober 1965 in Paris ausgestellt. Nanas sind bunt und fröhlich. Ihre Lieblingsbeschäftigung scheint Tanzen zu sein. Sie tanzen kopflos und unbeschwert mit einem Hauch von Ironie im Hinblick auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft durchs Leben. Ihnen ist es völlig schnuppe, was die Leute von ihrer unbeschwerten Lebensart halten. Für sie ist das Leben bunter als im engmaschigen Kinder-Küche-Kirche-Geflecht der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts.

An Nanas versuchten sich jetzt auch Kinder, deren Eltern und einige Großeltern während eines Eltern-Kind-Workshops in der Jugendkunstschule. Aus Drahtgeflecht, gekleistertem Papier und reichlich Pappmaschee formten sie ihre Fantasie-Nanas. Das waren in den wenigsten Fällen üppige Frauenkörper als Ausdruck der Gesellschaftskritik. Die Kinder fanden ihre Motive hauptsächlich in Fabelwesen und Tieren. Die neunjährige Zora aus Mühlhausen schuf sich einen Geist. „Einen guten Geist“, wie sie betonte. Ihr Geist soll auch einen schicken Hut als Krönung bekommen.

„Die Kinder können die Nanas ganz nach ihren Vorstellungen gestalten“, erklären die Kursleiter Marion Walther und Ralf Klement. Sie geben lediglich Anregungen und Hilfestellung, fassen hier und da zu, wenn die Statik der Figuren bedenklich ins Wanken gerät, und erklären natürlich die Geschichte der Nanas. Bildende Kunst bildet, auch, wenn in diesem Workshop der Spaß-Faktor am Gestalten im Vordergrund stand.

Anders als in Hannover werden die künftigen Nanas nicht zu Attraktionen in der Stadt Mühlhausen. Als verhältnismäßig kleinformatige Nanas im Vergleich zu ihren üppigen Hannoveraner Schwestern werden sie die Kinderzimmer der Mädchen und Jungen schmücken. Ihre Nanas dürfen sie mit nach Hause nehmen.

Der Nana-Workshop war der erste in diesem Jahr in der Jugendkunstschule. Gefördert wurde er vom Gewerbering Mühlhausen. Zugleich war dieser Workshop der letzte in den Räumen in der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße. Im nächsten Monat packt die Jugendkunstschule ihre Koffer. Nach Jahren des Wartens ist das neue Domizil auf dem Kilianihof, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Theaterwerkstatt 3K, bezugsfertig. Der Schulbetrieb der Jugendkunstschule wird während des Umzugs weiter gehen.

DIASCHAU

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