Fahrendes Volk

Posted by on 10. Februar 2010

Besenbinder und Scherenschleifer, Töpfer und Schmied, Seiler und Korbflechter: Einst waren deren Zünfte in hiesiger Region weit verbreitet. Heute sind diese und andere traditionelle Handwerke rar geworden. Diese Serie soll eine kleine Führung durch das vielfältige Spektrum der Handwerkskunst im Unstrut-Hainich-Kreis sein und typische Produkte und Handfertigkeiten vorstellen. Sie will ein Stück der Faszination der Arbeiten und der Vielfalt der Ideen einfangen. So in der Mühlhäuser Schaustellerfamilie von Michael und Bettina Bang.

MÜHLHAUSEN.

Rund um Buden und Fahrgeschäfte spielt sich viel mehr ab, als der Besucher mitbekommt. Schon immer hat das Schaustellergewerbe besonders unkonventionelle Charaktere angezogen. Scheinbar „vernünftige“ Berufe werden für das Leben eines Schaustellers schon einmal an den Nagel gehangen. So zog Michael Bang, der sein sicheres Auskommen und einen geregelten Tagesablauf im früheren Mühlhäuser E-Werk hatte, die unsichere Existenz und das unstete Leben des fahrenden Volkes vor. Na gut: Es war auch die Liebe zu einer schönen Frau aus dem fahrenden Volk, zu Bettina. Sie, die Tochter aus einer traditionsreichen Schaustellerfamilie, konnte sich ein Leben mit dem humorvollen und schlagfertigen Michael an ihrer Seite durchaus vorstellen: im Schaustellergewerbe. Das Lachen der Kinder auf dem Rummel, das Hand-in-Hand-Gehen der Verliebten, die Freude in den Gesichtern der Menschen auf den Vergnügungsparks und auch den ständigen Musikbrei, weil jedes Fahrgeschäft einen anderen Titel spielt, wollte und will sie nicht vermissen. Ebenso nicht das Herumreisen von Festplatz zu Festplatz und das Treffen und Wiedersehen mit den längst zu Freunden gewordenen anderen Schausteller-Familien. Hallo, wie geht es? Was machen die Kinder? Habt ihr die Winterpause gut überstanden?

Der Rummel ist ihre Leidenschaft, so wie es schon die Leidenschaft ihres Ururgroßvaters August Otto senior war. Mit einem Pferdekarussell gründete er 1882 seine Existenz als Schausteller. Bettina und Michael Bang sind mittlerweile die Nachkommen in der fünften Generation, die den Familienbetrieb übernahmen. Das Pferdekarussell existiert freilich nur noch auf alten Fotos. Mit einer Autobahn begeisterte August Otto junior die Rummelgäste. Dessen Sohn Herbert Otto investierte in eine Raketenbahn, eine Alpenrennbahn und eine Kindereisenbahn. Letztere übernahm der nächste Nachfolger, Gunter Otto, der es zudem noch in einer Schießbude ordentlich knallen ließ.

Tochter Bettina ging es ruhiger an. Mit Ringwerfen reist sie seit 1985 durch Mitteldeutschland, ist mit ihrem Mann Michael immer dort, wo Feste gefeiert werden: zum Frühlingsfest und zur Kirmes in Mühlhausen, zum Sommergewinn in Eisenach, zum Vogelschießen in Sonneberg, zum Wollmarkt in Arnstadt … Von Anfang März bis zum 23. Dezember, wenn die letzten Weihnachtsmärkte schließen, dauert ihre Saison. Längst ist das Bang’sche Vergnügungsangebot erweitert worden: Am Froschklopfen, Entenangeln und auf dem Babyflug haben besonders die kleinen Rummelgäste ihre Freude. Ein Imbiss und Ausschank ergänzt das Sortiment.

Noch haben all die Gerätschaften und die Familie Bang ein paar Tage Ruhe. Doch bald heißt es wieder, alles auf den Laster zu packen, den Wohn- und Campingwagen einzurichten. Mit den ersten Frühlingsstrahlen beginnt auch wieder die Musik auf den Festplätzen zu spielen …. Diesem Zauber kann auch Tochter Melanie Bang nicht widerstehen. Sie wird einmal das Familienunternehmen in der sechsten Generation fortsetzen.(www.bangi.de)

DIASCHAU

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