Ein glückliches Muss

Posted by on 30. Januar 2010
Kleine Galerie des Kulturbundes wird in diesem Jahr 35 Jahre alt

Mühlhausen. Kreisstadt. 44000 Einwohner. Keine einzige Galerie. Vor 35 Jahren gab es zwar noch etwa 8500 Einwohner mehr als heute. Aber eine Begegnung mit der zeitgenössischen bildenden Kunst war etwa so wahrscheinlich wie mit einem Papagei im Stadtwald. Das änderte sich erst, als der Kulturbund begann, eine Kleine Galerie aufzubauen. Vor 35 Jahren begann Franz Prinich, Kunsterzieher an der damaligen Erweiterten Oberschule „Erich Weinert“, die Kleine Galerie aufzubauen.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.

Diese Kleine Galerie war ein glückliches Muss für Mühlhausen. In den 70er Jahren strebten die DDR-Regierenden landauf landab die Gründung solcher Galerien im Kulturbund an. Ziel war, das künstlerisch-kulturelle Angebot vor allen in den kleinen Städten zu verbessern und der „bildenden Kunst zu größerer Wirksamkeit zu verhelfen“, wie es in einer Broschüre zu lesen ist, die anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Kulturbund-Galerie in Mühlhausen erschienen ist. Der Künstler, Kunsterzieher und Zirkelleiter Franz Prinich war es schließlich, der mit Beharrlichkeit die Kleine Galerie ins Leben rief. Im damaligen Kulturbund-Haus an der Brückenstraße leitete er diese viele Jahre und initiierte zunächst ganz allein 17 Ausstellungen. „Die Kleine Galerie war vom ersten Tag an eine Bereicherung für unseren Kulturbund und die Stadt“, erinnert sich der heutige ehrenamtliche Geschäftsführer und Zeitzeuge Jürgen Thormann an die Anfangszeit. Die „Galerie am Entenbühl“, wie sie damals hieß, habe sich zu einer guten Adresse für die Bildende Kunst entwickelt. Anfangs war diese Galerie ein Podium für die Mühlhäuser Künstler. Alexander Barth, Charlotte Eberlein, Werner Weidenbach und Siegfried Böhning nennt der Kulturbund-Chef als Beispiele. Aber später kamen auch bekannte Thüringer Künstler nach Mühlhausen: Horst Peter Meyer war ebenso Gast in der Kleinen Galerie wie Alfred T. Mörstedt, Otto Paetz, Otto Knöpfer, Jost Heyder und Dieter Hennig, zum Beispiel

Gut und gern 180 Ausstellungen hat die Kleine Galerie bis heute gezeigt, fasst Thormann zusammen. Das ist eine Hochrechnung, denn die genaue Zahl weiß leider niemand mehr. Fünf bis sechs Ausstellungen hat es pro Jahr gegeben. Manchmal mehr, manchmal weniger.

Immerzu rosig und voller Tatendrang waren die Jahre der Galerie allerdings nicht. Niemand konnte in der Zeit der politischen Umstrukturierung des Landes nach dem Jahr 1989, das als Wende-Jahr bezeichnet wird, sagen, wie es weiter geht mit dem Kulturbund und der Galerie. Selbst das 20. Jahr der Galerie, 1995, gab keinen Anlass zum Feiern. Der Kulturbund hatte große Sorgen. Ihm und damit auch der Kleinen Galerie drohte die Obdachlosigkeit. Jahre des Wanderns hatte der Kulturbund zu überleben, bis endlich im Jahr 2000 das Puschkinhaus neue Adresse wurde – auch für die Kleine Galerie. Damit gehört diese zu den wenigen Überlebenden ihrer Art aus dem alten Land.

Die erste Ausstellung im 35. Galerie-Jahr wird am kommenden Mittwoch, 3. Februar, um 18 Uhr eröffnet. Sie ist dem Mühlhäuser Maler und Grafiker Dr. Richard Kühnl gewidmet, der in diesem Jahr 85 Jahre alt geworden wäre. Kühnl war einer der engsten Freunde des Kulturbund-Gründers Franz Prinich.

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