Eine Stadt soll baden gehen

Posted by on 12. Januar 2010
Mühlhäuser Museen resümieren ein gutes Jahr und wollen weiterhin für ihre Gäste da sein

Ein gutes Museumsjahr, blickt Museumschef Thomas T. Müller auf 2009 zurück. Ungefähr 55000 Gäste wurden in den fünf Häusern der Museen gezählt. Am beliebtesten ist die historische Wehranlage, die Stadtmauer. Allein auf der Stadtmauer gingen im vergangenen Jahr etwa 15000 Besucher spazieren. In diesem Jahr wollen die Museen die Stadt Mühlhausen baden schicken.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.

Vertieft im Museum Anja EisenbrandtÜber sinkende Besucherzahlen muss Thomas T. Müller nicht klagen. Sein Konzept zeigt Erfolge. Die Beliebtheit der Museumsangebote wächst, vor allem bei den Gästen der Stadt. Müller, der seit gut zwei Jahren Museumschef in Mühlhausen ist, setzt auf die Außenwirkung der attraktiven Häuser des Verbundmuseums: das Museum am Lindenbühl, die Museumsgalerie Allerheiligenkirche, das Bauernkriegsmuseum Kornmarktkirche, die Müntzergedenkstätte St. Marien und die historische Wehranlage. Im Jahr 2008 holte er mit der großen Sonderausstellung in der Kornmarktkirche über das Leben der Franziskaner in Thüringen Tausende Interessierte nach Mühlhausen. Im vergangenen Jahr bauten er und seine Mitarbeiter mit viel persönlichem Einsatz und Kraftaufwand die große Premiumausstellung „Der Kunstraum Thüringen im 20. Jahrhundert“ im Museum am Lindenbühl auf. Die fand und findet über die Grenzen Thüringens hinaus Beachtung. Dazwischen lag ein ganzes Teil kleine Attraktionen wie „Essen und Trinken“ in der Region, die Fotoausstellung „Blickwechsel“, die Ausstellung „Bach, Bäche und mehr“ und schließlich ein Ereignis, das Geschichte zum hautnahen Erleben machte: das Bauernkriegsspektakel. Das fand auf den historischen Originalschauplätzen an der Wehranlage und in St. Marien statt. Beliebt sind zudem St. Marien und die Kornmarktkirche für Konzerte. „Drittnutzung“ heißt das im Museumsjargon. Diese Drittnutzung brachte noch einmal etwa 4000 Gäste in die Häuser. „Wir betreiben das Museum ja nicht für uns, sondern für die Menschen, die hier leben oder hierher zu Besuch kommen“, sagt Müller. So gibt es auch spezielle Angebote für Schüler und Lehrer sowie für Senioren. Das sind neben den sogenannten Standartangeboten zu Themen aus der Ur- und Frühgeschichte oder über die Freie Reichsstadt Mühlhausen auch thematische ausgerichtete Führungen und schulspezifische Sonderveranstaltungen. Unter dem Begriff „Museumspädagogik“ fasst Müller diese Angebote zusammen. Damit gehen die Museumsmitarbeiter manchmal regelrecht hausieren: „Wir sprechen die Lehrer in den Schulen direkt an. Dann wecken wir auch Interesse“, so die Erfahrungen des Museumschefs. Nicht selten sei es, dass die Kinder und Jugendlichen kurz darauf auch mit ihren Eltern in den Häusern erscheinen. Den jungen Leuten hat es so gut gefallen, dass sie ihre Eltern zum Museumsbesuch überreden.

In diesem Jahr will Müller mit seinem Team am Konzept festhalten. Einfacher als im vergangenen Jahr wird das nicht. Es wird Einschränkungen geben müssen. So steht dem Haus am Lindenbühl eine längere Schließzeit wegen umfassender Bauarbeiten bevor, von denen noch niemand genau sagen kann, wann die beginnen und wann sie enden. Der Stadtrat hat mit der Entscheidung des Haushaltes das letzte Wort über diese Investition. An der Idee für eine nächste Ausstellung wird dennoch konkret gearbeitet: „Mühlhausen geht baden“ soll deren Titel sein. Politisch ist das nicht gemeint. Die Ausstellung widmet sich der Entwicklung Badekultur vom Zuber bis zur Thüringentherme. Ausstellungsort soll auch die Thüringentherme sein. „Wir werden in diesem Jahr wohl oft ‚fremd‘ gehen müssen, weil wir einfach noch keine Planungssicherheit haben“, sagt Müller. Auch darin hat er Erfahrungen. Beispiele sind Ausstellungen im Stadtmuseum Saalfeld, in der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, im Heimatmuseum Eslohe, im Literaturmuseum „Theodor Storm“ in Heiligenstadt, in Hermannstadt in Rumänien und in Brüssel in Belgien.

Und was wünscht sich der Museumschef für dieses Jahr, das von Unwägbarkeiten geprägt ist? „Wir wollen für unsere Besucher da sein und unsere Arbeit weiter so gut machen können wie bisher. Darum wünsche ich mir eine finanzielle Ausstattung für unser Haus, die diese Arbeit auch ermöglicht.“

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