Potenzial zum Satirischen

Posted by on 30. Dezember 2009
„Mohnköppe“ sind die neuen Figürchen aus dem Atelier von Reinhard Wand

Sie zeigen die Zähne, sind grün vom vielen Rauchen oder stellen ein hochnäsiges Lächeln zur Schau: die „Mohnköppe“ von Reinhard Wand. Mit dieser neuen Gestaltungsidee geht der Dachrieder Künstler ins neue Jahr.

Von Iris HENNING

DACHRIEDEN.

Auf langen, dürren, getrockneten Hälsen sitzen dicken Köpfe. Deren Charakter scheint der zu sein, den man gemeinhin „lose“ nennt. Der eine schielt dümmlich, der andere blickt schlaumeierisch, der nächste mimt einen Neunmalklugen. Die skurrile Gesellschaft aus dem Phantasieland entlockt dem Betrachter schnell dicke Lacher, zumindest aber ein breites Grinsen. Die „Mohnköppe“, wie Reinhard Wand seine Figürchen aus getrockneten Mohnblumen nennt, sind ein kleiner, feiner Spaß aus seinem Atelier mit Potenzial zum Satirischen. „Ich könnte mir gut vorstellen, auch Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur, Wirtschaft oder wegen mir auch Politik zu karikieren“, meint Reinhard Wand. Ein dicker Ottfried Fischer auf dem dünnem getrockneten Mohnblumenstiel ist für ihn genauso denkbar wie Kommunalpolitiker in der Sitzordnung des Parlaments.

Auf die Idee mit den „Mohnköppen“ kam Reinhard Wand während seiner ständigen Suche, aus unscheinbarem, vermeintlich ausgedienten Material etwas Neues werden zu lassen. Verrostete Kreissägenblätter und ausrangierte Türen verwandelte er bereits in Kunstwerke, die während Ausstellungen große Beachtung fanden. Allerdings haben diese meist großen und preisintensiven Werke einen Haken: Sie lassen sich schlecht verkaufen. Die vom Sommer zurückgelassenen und längst kahl gewordenen Mohnkapseln, die ohnehin wie unfertige Köpfe aussehen, waren eine sich anbietende Alternative. Sie bekamen mit den neuen Farben einen neuen Sinn, manche auch spaßigen Unsinn. „Man muss ja auch mal lachen könen, Freude verbreiten“, meint der Künstler, der sich auch die Zeit nimmt, all seine Mohnköppe mit seinem Signum zum unverwechselbaren Original zu kennzeichnen. „Jeder soll sehen können, wo sie herkommen“, legt Reinhard Wand Wert auf die „Vaterschaft“.

Die ersten Prototypen der „Mohnköppe“ haben schnell ihre Liebhaber gefunden. Aus einem Flaschenhals grinsen der Schlaumeier und der Neunmalkluge vom Schreibtisch aus ihre neuen Freunde an. Es scheint nur eine Frage der Zeit, wann und wo die erste Mohnkopp-Prominenz aus dem Atelier Wand auf sich aufmerksam machen wird.

Reinhard Wand hat sein Atelier in Dachrieden, an der Kaisershagener Straße 3. Dort können nach vorheriger Terminvereinbarung die „Mohnköppe“ und andere Werke besichtigt und gekauft werden.

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