Große Gefühle auf Eis

Posted by on 21. November 2009
Premiere: „Hier ist, was übrig ist“ ist ein gewagtes Theater-Experiment

Eine gute halbe Stunde geht es in die Tiefe der Gefühlwelt, in die ewige Geschichte der Suche nach der Liebe fürs Leben. Auf der 3K-Bühne führt diese Reise in Eiseskälte. Jedenfalls für die sechs Darsteller. Ihr Spielfeld ist ein enges Quadrat voll Eis.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.

„Hier ist, was übrig ist.“ Der knappe, philosophische Satz, der immer schwer wie Weihrauch im Raum zu schweben scheint, gibt der neuen 3K-Inszenierung den Titel. Am Wochenende hatte „Hier ist, was übrig ist“ Premiere. Florian Arndt, Ralf Bube, Simon Kempe, Marius Montag, Luka Opitz und Catherine Thon aus der Jugendtheatergruppe sind die Akteure im frostigen Eis-Quadrat. Spärlich bekleidet begeben sie sich auf sehr emotionale Suche nach dem Ist, dem Sein und finden Momente tiefster Innigkeit genauso wie die elender Verzweiflung. In lyrisch-fragmentarischen Kurztexten und ausdrucksstarker Körpersprache verlieren sie sich in der Liebe ebenso wie im Schmerz der Verlassenheit. Im Raum bleibt die Frage kleben, was bleibt.

„Hier ist, was übrig ist“ ist experimentelles Theater mit hohem Anspruch an die Spieler und Zuschauer. Nach 35 Spielminuten verlassen Letztere leicht benommen den Raum. Die Gedanken torkeln. Lange noch raunen sie im Kopf: „Hier ist, was übrig ist!“ und kreisen um Anfang und Ende einer Partnerschaft, um die Vergänglichkeit der Liebe.

Die theaterpädagogische Jugendproduktion ist nach „Hikikomori“ die zweite Inszenierung der jungen Regisseurin Karen Becker in der 3K-Theaterwerkstatt. Eine in sich schlüssige Geschichte erzählt „Hier ist, was übrig ist“ nicht. Die Inszenierung zeigt in ausdrucksstarken Bildern Momentaufnahmen tiefer Empfindungen.

Karen Becker verarbeitet in dieser Inszenierung Texte der Thüringer Jungautorin und Preisträgerin des Hessen-Thüringen-Literaturforums Simone Unger. Auch sie war eingeladen zur Premiere, war neugierig, wie ihre fragmentarischen Texte interpretiert würden. „Sehr gelungen“, so ihre begeisterte Meinung nach dem Stück.

Auch, wenn „Hier ist, was übrig ist“ als theaterpädagogische Jugendproduktion gekennzeichnet ist, ist es nicht nur ein Stück für Jugendliche. Der Zugang allerdings ist nicht einfach. Wer klassisches Theater liebt, fragt sich, ob so eine gewagte Inszenierung überhaupt noch Theater ist. Ein Theater-Experiment ist sie auf alle Fälle, ein gelungenes dazu: Viel Applaus gab es für die Akteure und die Regisseurin.

DIASCHAU

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