Rettung für klangvolle Kostbarkeit

Posted by on 5. November 2009
Freundeskreis Sauer-Orgel St. Marien gründete jetzt einen Förderverein

Aus dem Freundeskreis Sauer-Orgel St. Marien Mühlhausen wurde jetzt der Förderverein Sauer-Orgel St. Marien. Am späten Abend des Reformationstages trafen sich ein gutes Dutzend Freunde dieser Sauer-Orgel, um die Vereinsgründung zur beschlossenen Sache zu machen.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.

Als die Frankfurter Orgelmanufaktur Wilhelm Sauer im Jahr 1891 die große Orgel der Marienkirche vollendete, war ein Instrument geschaffen, das in Mitteldeutschland eine Sonderstellung einnehmen sollte. Erstmals schuf Wilhelm Sauer ein Instrument, das deutsche und französische Elemente der Orgelbaukunst in sich vereinte. Gut 25.000 Reichstaler war den Mühlhäusern diese Kostbarkeit wert. Auch damals, vor 118 Jahren, gab es bürgerliches Engagement: Die Orgel wurde von den Bürgern finanziert. 25.000 Reichstaler waren damals eine Menge Geld.

Heute braucht die Sauer-Orgel wieder das Engagement der Mühlhäuser. Rein äußerlich hat sie sich zwar ihren einzigartigen Charme und ihre Schönheit bewahrt. Doch eine über hundertjährige Tätigkeit geht nicht spurlos vorüber. Vieles in der komplizierten Mechanik der Orgel ist materialmüde geworden und steht kurz vor der Grenze des gänzlichen Hinüberseins. Zudem fiel auch die Mühlhäuser Orgel in den 1970er Jahren dem damaligen Ästhetikwandel zum Opfer. Große Pedalregister sowie tiefe Streichregister in den Manualen wurden herausgenommen. Seit dem ist die Klangpyramide lückenhaft. Die Orgel grundhaft zu sanieren und ihr das Klangbild von einst zurückzugeben kostet nach Schätzungen des Orgelrestaurators Christian Scheffler etwa 750.000 Euro. Diese Summe nannte er vor den Orgel-Freunden. Die Aufgabe, dieses Geld zu beschaffen und ein kostbares und klangvolles Kulturgut zu erhalten, setzt sich der neu gegründete Förderverein zur Aufgabe. Den Vorsitz des Vereins übernahm der künstlerische Leiter der Mühlhäuser Marienkonzerte Denny Ph. Wilke, der vor kurzem auch zum Mühlhäuser Stadtorganisten ernannt wurde. Zum Stellvertreter wurde Mühlhausens Bürgermeister Peter Bühner gewählt. Den Titel eines Ehrenvorsitzenden bekam der Leipziger Gewandhausorganist Michael Schönheit verliehen. Schönheit und Wilke, die beiden weltbekannten und gefragten Organisten, bemühen sich bereits seit der Gründung des Freundeskreises um die Sauer-Orgel. Sie sind auch die Väter der „Mühlhäuser Marienkonzerte“, während der sie und andere namhafte Organisten aus aller Welt auf der Sauer-Orgel spielen. „Wir wollen, dass dieses Instrument in der Öffentlichkeit wieder mehr wahrgenommen wird. Und wir wollen, dass sie wieder ihren Originalzustand erhält“, sagte Wilke. Ideen hat er einige: samstägliche Orgelmatineen in den Sommermonaten und Orgelführungen zum Beispiel. Mit der eindringlichen Musik der Sauer-Orgel hofft er, Gönner und Sponsoren zum Geben zu bewegen und die Mühlhäuser für ihre Orgel wieder zu begeistern.

Aber: Wenn die Sauer-Orgel noch so gut für Konzerte aufgelegt ist, warum soll sie dann saniert werden? „Weil sie nicht mehr lange so aufgelegt sein kann“, weiß Denny Ph. Wilke. Schon jetzt ist das Spiel auf der Orgel durch deren Altersbeschwerden eingeschränkt und die nächsten Gebrechen kündigen sich bereits an. Soll eine Sanierung nicht noch teurer werden, ist die Zeit zum Handeln begrenzt.

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