Fantastische Bibliothek

Posted by on 30. Oktober 2009
Lesen in hundert Jahren: Kinder sollen eine Geschichte schreiben

Es ist der 14. November 2109. Micki, die eigentlich Michelle heißt aber diesen Namen nicht leiden kann, hat etwas in der Hand. Es sieht aus wie eine Seite aus einem Buch. Doch die Bilder auf der schillernden Textseite heben sich ab wie Holografien. Micki tippt auf ein Zeichen. Eine andere Holografie erhebt sich über dem Text. Die Zehnjährige ist gerade dabei, sich ein Buch aus der Bibliothek auszuleihen.

Von Iris HENNING

MHLHAUSEN.

Blick in Bibliothek (2)Sieht so die Bibliothek in hundert Jahren aus? Immerhin: Das E-Book, das Elektrobuch, gibt es schon. Die Digitalisierung ist in der Literaturwelt angekommen. Statt haufenweise Bücher mit in den Urlaub zu schleppen, wird das gesamte Lesefutter in solchen minimalistischen Lesegeräten mitgenommen – vielleicht ausgeborgt aus der heimischen Bibliothek.

Wie die Bibliothek Mühlhausens in vielleicht hundert Jahren aussehen könnte, weiß heute natürlich noch kein Mensch. Genauso wenig, wie vor hundertfünfzig Jahren, als mit ein paar wenigen Büchern der Grundstein für die Mühlhäuser Stadtbibliothek gelegt wurde, niemand ahnen konnte, wie gewaltig sich dieses Bibliothek in den 15 Jahrzehnten entwickeln würde. Eine sogenannte Freihandausleihe, wie sie seit langem üblich ist, wäre damals unvorstellbar gewesen. In den Bücherschatz durfte nicht jeder greifen. Ein Bibliothekar nahm die Wünsche des Lesers entgegen und suchte für ihn das Buch dann aus.

Aus Anlass des 150-jährigen Bestehens der Mühlhäuser Stadtbibliothek soll es dennoch einen kleinen Blick in die Zukunft geben. Kinder und Jugendliche sind aufgerufen, sich Gedanken über die Bibliothek der Zukunft zu machen und aufzuschreiben. Auch Bilder können gemalt werden. „Lasst Eurer Fantasie freien Lauf“, macht Bibliotheksleiter Peter Rink Mut zum Mitmachen. Er und seine Kolleginnen sind jedenfalls neugierig, wie sich die jungen Leser die Bibliothek der Zukunft vorstellen. Einsendungen werden bis Mittwoch, 4. November, in der Stadtbibliothek, Sankt Jakobi 1, entgegengenommen. Auf der Rückseite sollten Name, Alter und Anschrift nicht vergessen werden. Die besten Geschichten und Bilder sollen während des Kinderbibliotheksfestes am Samstag, 14. November, mit kleinen Preisen ausgezeichnet werden.

Vielleicht hält ja hundert Jahre später ein Kind namens Micki genau jene Geschichten in den Händen, die heute von Zehnjährigen als Fantasiegeschichten aufgeschrieben werden. Ob diese Geschichten in einem E-Book oder in einem traditionellen Buch zu lesen sein werden – wer weiß das heute schon. In welchem Medium die Literatur künftig zu Hause sein wird, steht heute noch nicht fest. Aber auch die alten gypter konnten sich einst nicht vorstellen, dass ihre guten alten und unverwüstlich erscheinenden Steintafeln einmal von Papyrus abgelöst werden sollten.

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