Genussvolles Pilgern

Posted by on 21. September 2009
Künstler aus dem Landkreis öffneten ihre Ateliers und überraschten mit Neuem

Vertrautes und Neues konnten die Kunst-Pilger in den geöffneten Ateliers im Landkreis entdecken. Sechs Künstler hatten zum Schauen und zu Gesprächen eingeladen. Viele Besuche wurden zu angenehmen Begegnungen bei Kaffee, Kuchen und einem Gläschen Wein. Auch das eine und andere Kunstwerk wechselte den Besitzer.

Von Iris HENNING

LANDKREIS.

Aufgeräumte Ateliers, ein Tässchen Kaffee, ein Stückchen Kuchen: beraus gastfreundlich empfingen die Künstler am Wochenende ihr Publikum und gewährten Einblicke in ihre sonst verschlossene Arbeitswelt. Sie machten bekannt mit ihrem Wirken, mit den Entstehungsgeschichten ihrer Arbeiten und ihren Ansichten über die schwer zu ziehende Grenze zwischen Kunst und Kitsch. “Wer weiß denn heute noch, was Kunst ist“, sinnierte beispielsweise der Bad Langensalzaer Bildhauer Harald Stieding zwischen den Betrachtungen seiner ästhetisch-erotischen bis hin zu den aufreizend provozierenden Figuren, Skulpturen und Grafiken. Der Mann ist in seinen vortrefflichen Arbeiten so vielfältig, dass man gut und gern einen ganzen Tag in seinem Atelier verbringen kann, ohne dennoch alles gesehen oder gar verstanden zu haben.

Mit einer wundersamen Welt aus Maschinen, Häusern und Menschen empfing Rüdiger Mußbach (Höngeda) seine Besucher. Er liebt die filigrane Zeichnung ebenso wie das dick Auftragen von Farbschichten. Vielleicht ist der Maler und Grafiker ja stets selbst überrascht von den Ergebnissen seiner Fantasie. Fertig sind seine Bilder aber erst dann, wenn er für sie noch den passenden Rahmen gearbeitet hat. Den fertigt er vorzugsweise aus altem, gebrauchtem Holz, etwa aus einer verwaisten Tür, die ihm der Bach an seinem Grundstück einmal bei Hochwasser anschwemmte.

Mit neuen, technisch sehr schwierigen Experimenten überraschte die Mühlhäuser Keramikerin Marion Walther in ihrer Werkstatt an der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße. Dem erdigen Ton mengte sie zartes Porzellan hinzu, gestaltete erste Skulpturen und Masken. Phantastische Arbeiten holte sie bereits aus dem Brennofen: Zartes zerschmolz mit dem Rauen, jedoch nicht, ohne rissige Spuren zu hinterlassen. Genau das macht das Reizvolle dieser neuen Arbeiten aus.

Neues gab es auch bei Siegfried Böhning in Bollstedt zu entdecken. Neben vielen frischen typisch Böhning’schen Arbeiten, die er zu einer kleinen Ausstellung zusammenfügte, zeigte der Bollstedter teils mannshohe Arbeiten aus Holz. Er experimentierte in den vergangenen Monaten mit geometrischen Formen, fügte dem Symmetrischen kleine Asymmetrien zu, störte den Gleichklang ohne zu zerstören.

Für berraschungen sorgte ebenfalls Reinhard Wand in Dachrieden. Mangels Zeit – er eröffnete mit seiner Frau Christiane vor Kurzem ein Kunst-Café – griff er zu seinem Fundus. So wurde das Stöbern und Schauen zu einer kleinen Zeitreise durch den künstlerischen Lebenslauf von Reinhard Wand.

Ein buntes Gemisch aus Keramik, Bildhauerei und Grafik schließlich gab es bei Petra Arndt in Volkenroda zu entdecken. Besonders stolz ist die auch lyrisch begabte Künstlerin auf ihre Arbeit „Rogate“, einem Mädchenkopf aus Bronze.

Wer in diesem Jahr die Tage des offenen Ateliers, die der Verband Bildender Künstler Thüringen alljährlich organisiert, verpasste, muss sich nun gedulden bis zum September nächsten Jahres. Erst dann wieder werden Thüringer Künstler in dieser Vielfalt abermals Einblicke in ihr Schaffen geben und die Atelierbesuche zu einem genussvollen und abwechslungsreichen Spaziergang durch die Landschaft der Bildenden Kunst Thüringens gestalten. Und sie werden sich wieder freuen, wenn das eine und andere Stück einen Liebhaber findet, so wie in diesem Jahr in den meisten Ateliers im Landkreis.

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